Der Buntspecht
(Quelle: AZ-Nachrichten 10/00)
Artikel geschrieben von Manfred Giebing

Dendrocopos
major -
(Linne, 1758)


engl.:
Great Spotted Woodpecker


von:
M. Giebing (18590)






Allgemeines



Der Buntspecht ist bei
uns die häufigste Spechtart. Dieses ist auch an den weit über
40 Namen zu sehen, welche ihm der Volksmund gegeben hat. Diese gelten
zwar auch für den Weißrücken-, Mittel-, Blut- und
Dreizehenspecht, die man früher vom Buntspecht nicht
unterschieden hat. Die geläufigsten außer Buntspecht, sind
noch Rotspecht, Schildspecht und Großer Buntspecht. Der
wissenschaftliche Name ist folgendermaßen zu übersetzen:
Dendrocopos gr. Baumhacker und major lat. größer,
also Großer Baumhacker.






Systematik



Der Buntspecht
(Dendrocopos major) gehört nach WOLTERS zur gleichnamigen
Gattung Buntspechte (Den drocopos Koch, 1816) welche in die
Unterfamilie der Stützschwanzspechte (Picinae) eingereiht
wird und der Familie der Spechte (Picidae) beigeordnet wird.






Kennzeichen



Mit seinen 23
Zentimetern, gehört er zu den häufigsten der schwarzweißrot
gezeichneten „Buntspechte“. Für ihre Bestimmung ist
außer der Größe die Farbverteilung an Kopf und Hals
sowie die Rückenzeichnung maßgebend. Beim Buntspecht sind
beide Geschlechter und die Jungvögel an dem großen weißen
Schulterfleck kenntlich. Männchen und Weibchen haben einen
schwarzen Oberkopf, das Männchen außerdem ein rotes
Nackenband. Die Jungvögel haben in beiden Geschlechtern einen
roten Scheitel. Die bei Männchen und Weibchen roten
Unterschwanzdecken sind scharf gegen die schmutzigweiße
Unterseite abgesetzt. Die Nestlinge sind nackt und blind.






Verbreitung
— Lebensraum



Der Buntspecht lebt mit
mehreren Unterarten fast in ganz Europa, außer dem äußersten
Norden. Weiterhin bewohnt er den Laub-und Nadelwaldgürtel
Asiens, einschließlich Japans, im Norden Vorder- und
Hinterindiens, im Süden häufig auf das Bergland beschränkt.
In Nordafrika bewohnt er Tunis und Marokko. In den Alpen steigt er
bis etwa 2000 Meter hoch. In Deutschland wird er durch die Unterart
pinetorom vertreten. Bei uns ist er Standvogel, während
die nördlichen Populationen oft im Winter invasionsartig
südwärts ziehen. Der Buntspecht lebt in Wäldern aller
Art, jedoch hauptsächlich in Nadelwäldern, auch in
parkähnlichem Gelände und in Feldgehölzen. Er mag
besonders alte Eichen und Hainbuchen.






Verhalten



Er hüpft auf dem
Boden und breiten Asten breitbeinig und klettert meist in Spiralen
ruckweise am Stamm aufwärts. Das Abwärtsklettern erfolgt im
Rückwärtsgang. Sein Flug ist stark wellenförmig. Er
kann sogar im Rüttelflug von dünnen Asten Nahrung absuchen.
Bei Gefahr versteckt er sich hinter einen Stamm.






Stimme



Der Buntspecht ruft
hart »kick«, bei Erregung wird es gereiht zu einem
»kick-kick-kick«. Zur Balzzeit sind heisere
»rärärä«-Reihen zu hören. Seine
Trommelwirbel dauern etwa eine halbe Sekunde und bestehen aus zehn
bis fünfzehn Einzelhieben. Die Hiebfolge wird gegen Ende des
Wirbels schneller.






Fortpflanzung



Die Geschlechtsreife
tritt zu Ende des ersten Jahres ein. Es wird eine Saisonehe geführt,
deren engerer Zusammenhalt eines Paares, trotzt der Aggressionen beim
Buntspecht, nicht ungewöhnlich sind. Die Brutperiode geht von
April/Mai bis Juni. Es wird eine Jahresbrut durchgeführt, bei
Verlust kann ein Nachgelege erfolgen. In Gebieten, in denen sowohl
der Blutspecht, als auch der Buntspecht leben, kommt es hin und
wieder zu Mischlingen.






Balz
- Paarung



Wie bei allen Spechten
macht die Balz den Eindruck einer Drohbalz. Es gilt für jede
Fortpflanzung ist ein großer Teil von Aggression abzubauen. Bei
erstmaliger Verpaarung kann es immer lange dauern, dagegen bei früher
schon Verpaarten geht alles schneller vor sich. Das Trommeln ist
nicht nur das wichtigste Signal zur Kontaktaufnahme, sondern es steht
im engen Zusammenhang mit einer fertigen oder noch fertigzustellenden
Höhle. Kommen fremde Artgenossen, so wird die Annäherung
mit Aggression beantwortet. Der Flatterflug, mit stark gespreizten
Schwanz und flachen Flügelschlägen hilft mit sich näher
zu kommen. Beide Partner können an ihrem Winterrevier und auch
an ihrer Schlafhöhle oder einen Höhlenanfang festhalten
oder anbieten. Beim Höhlenzeigen wechseln Trommeln und
Flatterflug ab. Hat sich das Paar für eine Höhle oder einem
Höhlenanfang entschieden, dann zimmert vorwiegend das Männchen.
Jetzt steht auch einer Kopulation nichts mehr im Wege. Meist geht die
Initiative vom Weibchen aus. Es duckt sich quer auf einem
waagerechten Ast und wird vom Männchen ohne Einleitung beflogen.
Beide Tiere rufen dabei, während die langgezogenen Rufe vom
Weibchen sind. Während der Kopulation hält das Männchen
flügelschlagend Gleichgewicht, kippt seitlich ab und fliegt weg.
Das Weibchen verharrt noch einen Moment. Bei der ersten Kopulation
können jedoch beide Vögel in starrer Hab-Acht-Stellung mit
schräg aufrecht gerichteten Schnäbeln verharren. Die
Kopulationen finden meist in Nähe der Höhle am gleichen
Platz statt.






Höhle



Beim Höhlenbau
werden morsche oder tote Bäume bevorzugt. Die Höhle liegt
in starken Asien oder Baumstämmen, meist zwischen 3 und 8 Meter
Höhe vom Boden. Sie ist etwa 20 bis 50 Zentimeter tief und hat
eine Breite von 8 bis 17 Zentimeter.



Der Durchmesser des
querelliptischen Einschlupfloches beträgt 50 Millimeter. Der Bau
erfolgt hauptsächlich durch das Männchen, während das
Weibchen mal die Höhle inspiziert und ein paar Späne heraus
wirft oder ein paar Schnabelhiebe tätigt. Der Bau nimmt etwa 2
bis 3 Wochen in Anspruch. Buntspechte zimmern jedes Jahr eine neue
Höhle. Ein Teil der Späne verbleibt als Unterlage für
die Eier in der Höhle.






Ei,
Gelege



Die Eier sind
kurzspindelförmig und weiß. Ihre Maße betragen 26
mal 18 Millimeter und ihr Frischgewicht beträgt 6 Gramm. Sie
werden täglich abgelegt. Das Gelege besteht aus 4 bis 7 Eiern.
Schon vor Vollendung des Geleges beginnt das Männchen mit der
Brut. Es übernimmt auch die Bebrütung über Nacht. Den
Tag über wechseln sich beide Partner ab. Kommt ein Partner zum
Brutwechsel, so meldet er sich mit gedämpften »kick«
und wartet bis die Höhle frei wird, um einzuschlüpfen. Die
Brutzeit beträgt 12 Tage.






Schlupf
- Aufzucht



Schon einen Tag vor dem
Schlupf melden sich die Jungen aus dem Ei. Nach dem Schlupf bilden
sie eine Wärmepyramide. Eischalen und tote Jungen werden aus der
Höhle entfernt. Der Kot wird in den ersten Tagen von den Eltern
verzehrt und später nach jeder 4. Fütterung aus der Höhle
entfernt. In den ersten Tagen werden die Jungen vom Altvogel durch
betupfen der Bürzeldrüse animiert, Kot abzugeben. Augen und
Ohren werden am 10. Tag geöffnet. Ab jetzt werden auch die
Huderpausen immer größer. Wenn sich jetzt das Eingangsloch
durch einen Altvogel verdunkelt, so fangen die Jungen schon mit
Betteln an. Ihre Stimme wird mit zunehmendem Alter lauter. Ab dem 18.
Tag empfangen die Jungen am Schlupfloch ihre Nahrung. Sie verlassen
mit 21 Tagen die Höhle. Sie werden noch etwa eine Woche von den
Eltern gefüttert. Diese reagieren beim Betteln der Jungen immer
aggressiver, so dass sie sich langsam selber um Futter kümmern
müssen. Sobald sie selbständig sind wandern sie immer
weiter aus ihrem Geburtsbezirk.






Mauser



Die Jugendmauser
beginnt Ende Juni/Anfang Juli und dauert so bis Mitte Oktober. Die
Altvögel machen ihre Jahresmauser von Mitte Juni bis Mitte
Oktober durch.






Ernährung



Die Nahrung des
Buntspechtes ist vielseitig. Er ernährt sich vor allem von
Forstschädlingen, wie im Holz lebende Käferlarven oder
unter der Rinde sitzenden Insekten. Kann er eine im Bohrgang
steckende Larve nicht erreichen, so erweitert er den Gang mit ein
paar kräftigen Schnabelhieben, bis er mit seiner langen Zunge.
welche mit Widerhaken besetzt ist, sie herausziehen kann.



Vor allem im Winter
nimmt er auch Nüsse und Koniferensamen auf. Zur Bearbeitung
klemmt er diese in eine sogenannte Spechtschmiede. Man findet sie
leicht, an den am Boden liegenden leeren Zapfen und Nuss-Schalen. Die
Buntspechte „Ringeln“ im Frühjahr. Sie schlagen an
verschiedenen Baumarten wie Ahorn. Birke, Fichte, Kiefern, Weiden und
anderen Bäumen kleine Löcher zu Kettenlinien in die Rinde
des Stammes. Dieser Saft wird von ihnen von Zeit zu Zeit abgeleckt.
Er enthält schmackhafte und vitaminreiche ölige Substanzen.
Verschiedene Spechte haben sich auf Eier und Jungvögel
spezialisiert. Sie werden aus offenen Nestern, wie auch aus
Nistkästen herausgeholt. Es handelt sich hier in erster Linie um
Meisen, Baumläufer, Laubsänger und Rotkehlchen. Es wird
behauptet, das Insektenmangel zu dieser Abart eine Rolle gespielt
hat.






Pflege
Aufpäppeln



Im Laufe der Zeit
spricht es sich herum, dass man Vögel hält und pflegt und
so wird auch ab und an ein Specht gebracht. Hauptsächlich
handelt es sich um junge oder verletzte Buntspechte, welche bei
Forstarbeiten oder am Straßenrand gefunden worden sind. Zuerst
versuchen wir festzustellen welche Beschwerden hat der Specht, zum
Anderen wird er gesäubert und desinfiziert. Hiernach kommt er in
einen Krankenkäfig welcher eine Wärme bis 30 0C
hat. Ist der Specht aufgewärmt geht es ihm meistens schon besser
und wir reichen ihm ein gutes Fertigfutter mit frischen Ameiseneiern.



Nach mehreren Tagen des
Fortschritts kann auch anderes Lebendfutter wie frischgehäutete
Mehlkäferlarven gegeben werden. Zu Trinken ist ab sofort
Kamillentee zu empfehlen, welches in einem Napf und nicht in einem
Röhrchen gereicht wird. Kann der Specht nicht mehr in die
Freiheit zurück, so ist ein größerer Kistenkäfig,
welcher innen mit Fichtenstämmchen oder dicken Schwartenbrettern
verkleidet ist. Der Specht kann dann herumklettern. Ist es nur für
kurze Zeit so reicht 1 m2, für längere Zeit mindestens 2 m2
Wandfläche. Ein junger Specht wird aufgepäppelt mit viel
Ameiseneier im Fertigfutter mit etwas Wasser feuchtkrümelig
angerührt. Ist der Specht o. k. so entlässt man ihn in die
Freiheit. Kann er nicht frei gelassen werden, so sucht man einen
Interessenten.






Ausklang



Wie alle einheimischen
Spechtarten, ist der Buntsprecht durch den Verzehr von
Baumschädlingen ein Gehilfe der Forstwirtschaft. Wir müssen
ihm nachsehen, dass Singvogelbrut zerstört.



Um dem vorzubeugen,
müssen wir eben dafür sorgen, dass die Nisthöhlen
spechtsicher sind. Für den Erhalt des Buntspechtes gilt aber wie
für andere Spechte auch, dass ein naturnah bewirtschafteter
Wald, mit Tot- und Altholz, als Lebensraum wichtig und erforderlich
ist.



Copyright: Manfred Giebing
Norken, Deutschland
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