Die Heckenbraunelle
(Quelle: AZ-Nachrichten 11/00)
Artikel geschrieben von Manfred Giebing

Prunella
modularis

(Linne, 1758)


engl.:
Dunnock oder Hedge Sparrow





Allgemeines


Ihre
volkstümlichen Namen beziehen sich bei der Heckenbraunelle
meistens auf ihr Aussehen bzw. auf ihren Aufenthaltsort, wie
Bleikehlchen, Waldfluevogel oder Waldspatz. Der wissenschaftliche
Name setzt sich zusammen aus prunella wahrscheinlich von lat.
prunum die Pflaume, wegen der grauen Färbung auf der
Brust der Heckenbraunelle. Modularis wohl gebildet von lat.
modulari bedeutet melodisch singen und taktmäßig.





Unterbringung


Bei
mir sind die Heckenbraunellen in einer Voliere mit den Maßen 2
x 1 x 2 m untergebracht. Die Voliere ist überdacht und da ich im
Westerwald wohne, hier scheint ja nicht immer die Sonne, ist die
Schlagwetterseite mit Holz verkleidet und hält so starken Regen,
Wind und Schnee ab. Bis auf die Vorderseite werden alle Wände
mit Kiefern- und Douglaszweigen verkleidet, dieses ist sehr wichtig,
da ja Heckenbraunellen sich gerne im Gebüsch aufhalten. Auch
bieten die Gabelungen der Kiefernäste die Möglichkeit ein
freies Nest zu bauen, obwohl sehr oft auch ein Kaisernest benutzt
wird. Der Boden ist mit Naturboden und Fichtennadeln dicht belegt.
Die Voliere ist mit Holunder, Fichten, Farnkraut und Grasbüschel
bewachsen. Für die frostfreie Aufnahme im Winter von Futter und
Wasser ist ein Schutzraum angebaut. Hier befindet sich auch der
Futtertisch auf dem das täglich Futter gereicht wird.


Die
Heckenbraunelle ist anspruchslos und sehr anpassungsfähig. Sie
stellt keine besonderen Ansprüche an eine Voliere.
Heckenbraunellen sind während der Brutzeit streng territorial
und so sollte man sie paarweise in einer Voliere halten. So gehalten
bereitet sie uns nicht nur Freude durch ihren Gesang, sondern sie
wird auch zutraulich und belohnt die richtige Haltung durch die
Aufzucht ihrer Jungen.





Fortpflanzung


Am
Anfang des Folgejahres tritt die Geschlechtsreife ein. Zwei
Jahresbruten sind in der Natur die Regel und zwar in der Zeit von
April bis Juni. Bei Volierenvögel können sich diese Zeiten
verschieben und mindestens drei Jahresbruten sind dann keine
Seltenheit. Soweit sollte man es aber nicht kommen lassen, da die
Tiere sonst zu sehr geschwächt werden.





Paarbildung
- Balz


Nun
ist eine richtige Paarzusammenstellung schwierig, da nicht jedes
Männchen und Weibchen ein gutes Zuchtpaar ergeben. Auch hat
nicht jeder die Möglichkeit, mehrere Vögel zu halten, dass
eine freie Partnerwahl möglich ist.


Wenn
ich noch kein Zuchtpaar habe, so benutze ich eine Doppelvoliere und
setze je einen Geschlechtspartner in eine Voliere, welche mit einem
Durchflug miteinander verbunden sind. So hat jeder die Moglichkeit
dem anderen aus dem Wege zu gehen. Folgendes sollte man sich auch
noch merken, während außerhalb der Brutzeit die Männchen
generell über die Weibchen dominieren, kommt es mit Beginn der
Balz zur Umkehr und das bleibt bis zur Mauser so. Die
Heckenbraunellen erkennen ihre Geschlechter untereinander nicht
äußerlich, sondern erst durch das ablaufende Verhalten
Deshalb ist es auf jedem Fall ratsam, wenn man ein gefundenes
Brutpaar hat, dieses beieinander zu halten. Auch sollte man keine
Heckenbraunellen in der Nachbarschaft halten. Ihr starkes
Revierverhalten lässt sie, bei Konkurrenz in der Nähe,
nicht zur Ruhe kommen.





Balz
— Begattung


Mit
leisem Gesang folgt das Männchen dem Weibchen unentwegt. Je mehr
es sich erregt, steigert sich das Flügelzucken. Auf dem
Höhepunkt wird auch das Kleingefieder gesträubt, sodass der
Körper wie eine Kugel aussieht, aus der zwischendurch ein Flügel
herauszuckt, wobei sich dieser immer auf der dem Partner entfernten
Seite befindet. Ist das Weibchen paarungsbereit, so hockt es sich mit
hängenden Flügeln und hochgestelltem Schwanz auf dem Boden.
Das Männchen hüpft dann hinter das Weibchen und bepickt
dessen Kloake solange bis diese geschwollen ist und eine Flüssigkeit
absondert. Hierdurch soll sicher gestellt werden, dass das Sperma
einer vorherigen Paarung von einem anderen Männchen ausgespritzt
wird. Dann springt das Männchen auf und führt die
Kopulation durch. Diese wird, bis das Weibchen fest brütet,
mehrmals täglich durchgeführt.


Warum
ist das so? Das Weibchen hat Interesse daran, von möglichst
vielen Männchen begattet zu werden, weil diese hinterher bei der
Aufzucht der Jungen behilflich sind. Bei den Männchen findet
eine sogenannte Selektion statt. Das beste und kräftigste
Männchen soll die Nachkommenschaft zeugen, dieses könnte
aber für einen Revierinhaber bedeuten, dass er fremde Junge
großziehen muss.





Nest


Die
Nistplatzwahl und der Bau des Nestes findet vom Weibchen allein
statt, es kann aber bei der Nistmaterialsuche vom Männchen
begleitet werden. Das Nest wird niedrig in Sträuchern, Hecken,
aber am liebsten in Fichten gebaut. Je nach den örtlichen
Gegebenheiten, wird der Unterbau aus dünnen Fichtenzweiglein,
ansonsten wird es hauptsächlich aus Moos angefertigt. Die
Auspolsterung wird gewöhnlich mit den rotbraunen Sporenträgern
des Frauenhaarmooses durchgeführt. Manche Volierenvögel
geben sich aber ausschließlich mit Kokosfasern zum Nestbau
zufrieden. Besser ist es aber, wie in der freien Natur, reichhaltiges
Material zur Verfügung zu stellen. So ein Nest kann einen
äußeren Durchmesser von ca. 15 cm, die Nestmulde einen
Durchmesser von ca. 5 cm und die Tiefe der Mulde
ca. 4 cm betrag
en.





Ei
Gelege


Die
vier bis fünf blaugrünen Eier eines Geleges bieten einen
herrlichen Anblick auf dieser kontrastreichen rotbraunen Unterlage.
Die Eiablage erfolgt in den frühen Morgenstunden und zwar
täglich. Sie haben die Durchschnittsmaße von 19,63mm x
14,88 mm. Frischgelegt wiegt ein Ei 2,19 g bei einem Schalengewicht
von 0,124 g.


Mit
Ablage des letzten Eies beginnt die sehr feste Bebrütung durch
das Weibchen. Ab und zu verlässt es das Gelege um Nahrung zu
suchen, sein Gefieder zu pflegen und um seine Notdurft zu verrichten.
Das Männchen sitzt meistens in der Nähe des Nestes auf
seiner Warte und singt. Es kommt selten zum Nest um sein Weibchen aus
dem Kropf zu füttern.





Schlupf
- Aufzucht


Die
Brutdauer beträgt 12 bis 14 Tage. Die geschlüpften
Nestlinge sind auf Kopf und Rücken mit langen schwarzen Dunen
versehen. Der Rachen ist hellorange mit 2 schwarzen Punkten auf der
Zunge. Die Schnabelwülste sind leicht weißlichrosa. Die
Eischalen werden vom Weibchen aus dem Nest getragen. Spätestens
jetzt sind kleine Insekten für die Fütterung der Jungen zu
reichen, damit diese ausreichend von den Eltern versorgt werden
können. Die Jungen wurden nur vom Weibchen gehudert. In den
ersten Tagen gibt es auch das vom Männchen gebrachte Futter an
die Jungen weiter. Aber schon nach wenigen Tagen darf das Männchen
sowohl aus dem Kropf, als auch direkt aus dem Schnabel, mitfüttern.
Das bedeutet, ein Elternteil gibt zuerst das Futter aus dem Schnabel
und dann mit 2 bis 9 Würgestößen das Futter aus dem
Kropf an die Jungen weiter. Der Kot wird in den ersten Tagen
gefressen, später dann weggetragen und abgelegt. Jedenfalls wird
das Nest saubergehalten und das ist der Grund, warum bei der
Beringung Vorsicht zu walten ist Die Ringe sollten entweder mit
Leukoplast oder Ventilgummi bezogen sein da sonst die Eltern leicht
den Ring für Unrat halten und ihn mit dem Jungen aus dem Nest
entfernen. Mit sechs Tagen öffnen die Jungen die Augen. Nach
zwei Wochen verlassen sie noch flugunfähig das Nest, um unter
Zuhilfenahme der Flügel im Gezweig herumzuklettern. Sie werden
dann meistens vom Männchen noch
14 Tage
gefüttert, weil das Weibchen sich um die nächste
Brut kümmert. Sobald die Jungen futterfest sind, müssen sie
aus der Voliere entfernt werden, da sie die Folgebrut gefährden
und was noch viel schlimmer ist, sie werden vom Vater als
Konkurrenten angesehen und gejagt.





Mauser


Die
Jugendmauser fällt meistens in die Zeit von Mitte Juli bis
September und dauert zwischen 50 und 60 Tagen.





Ernährung


Die
Heckenbraunelle ernährt sich im Sommer überwiegend
animalisch. Im Herbst und Winter dagegen kann die vegetabilische Kost
vorübergehend dominieren. Sehr wählerisch ist sie nicht,
sie passt sich den Gegebenheiten an, nur liebt sie die Abwechslung.
Zu dem normal im Winter gebotenem Waldvogelfutter und Weichfutter
wird ab Februar steigernd mehr und mehr Lebendfutter und gekeimte
Sämereien gereicht.





Futtermischung



  • Trocken-Weichfutter
    1/2 Liter


  • 2
    Esslöffel Sanostol


  • 3
    Esslöffel Hüttenkäse oder Quark


  • 2
    Esslöffel Sonnenblumenöl




Alles krümelig
mischen und im Kühlschrank aufbewahren. Anstelle der oben
genannten Beigaben können auch noch Rinderherz, Eigelb,
Ameisenpuppen oder kleingeschnittenes Grün, z.B. Vogelmiere,
Petersilie usw. genommen werden.



Zur Jungenaufzucht
wurden in den ersten 6 Tagen kleine Insekten gereicht. Insgesamt
wurden Mehlkäferlarven und -puppen, Pinkies und Ameisenpuppen,
Tubifex und Mückenlarven angeboten. Diese Tiere wurden jeden 2.
Tag entweder mit Sanostol oder Sonnenblumenöl benetzt. Nach dem
Selbständigwerden wurde das Lebendfutter reduziert, damit mehr
Weichfutter aufgenommen wurde. Als Anreiz kann auch das Lebendfutter
unter das Weichfutter gemischt werden. Nach der Mauser wurde auf
Winterfütterung umgestellt.





















Sämereien,
halbreif und reif



Zeit
(Monat)



Ackersenf


Gauchheil


Grauerle


Schwarzerle


Klatschmohn


Schlafmohn


Raps


Sternmiere


Vogelmiere


Vogelknöterich






7
– 4


6
– 9


1
– 2


1
– 2


5
– 8


6
– 9


3
– 8


3
– 10


5
– 9


5 -
10






Ausklang


Die
Heckenbraunelle ist ein recht angenehmer, ausdauernder Pflegling. Sie
macht ihre Farblosigkeit durch Zutraulichkeit und ihren Gesang wieder
wett. Ihre Zucht erleichtert den Einstieg in die
Insektenfresserhaltung.



Copyright: Manfred Giebing
Norken, Deutschland
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