Die Gouldamadine
(Quelle: AZ-Nachrichten 08/00)
Artikel geschrieben von Manfred Giebing

Chloebia
gouldiae
(Gould, 1844)


engl.:
Gouldian Finch


von:
M. Giebing (18590)





Allgemeines


Ob
der eng
lische Naturforscher John Gould, als er 1838 dieser
Amadine seiner Frau zu Ehren den Namen „Frau Gouldiae Amanda“
gab, wohl schon eine Ahnung hatte, welchen Erfolg die unter
den Vogelliebhabern fand? Sie kam 1887 nach Europa rad 1896 nach
Deutschland. Die Importe der Gouldamadinen ahmen zu und auf Vorschlag
von Ruß änderte Reichenbach den wissenschaftlichen Namen
in Chloebia gouldia. Die Erstzucht gelang schon vor
1886 ei
nem Australier. Wem in Europa zuerst die Zucht
gelang ist verloren gegangen. Es wurde 1915 schon in 5er Gefiederten
Welt über eine gelungene Zucht geschrieben, es erfolgte aber
keine Namensnennung. Die Gouldamadine ist zweifellos eine der
schönsten Prachtfinken und ihre Verbreitung in den Züchterstuben
nahm ihren Anfang. Der erfolgreichste Züchter soll ein Engländer
gewesen sein, welcher in den dreißiger und vierziger Jahren
insgesamt 24 Generationen von Gouldamadinen gezüchtet hat. Nach
den Weltkriegen tauchte die Gouldamadine wieder im Handel auf und
dann kam 1960 der Ausfuhrstopp der australischen Regierung. Jetzt war
guter Rat teuer. Mühsam war es, den Bestand der vorhandenen
Gouldamadinen bei den Liebhabern zu erfassen und zu vermehren. Die
nach 1960 importierten Gouldamadinen kamen fast alle aus Japan. Dort
wurden sie in großen Mengen mit Hilfe von Japanischen Mövchen
nachgezogen. Hierbei verlor sie fast ganz ihren Nestbautrieb, zum
Teil auch den Bruttrieb und sie wurde nur noch als Legemaschine
gebraucht. Aber in Deutschland sah man das anders, da die meisten
Züchter die Naturbrut vorzogen. Wie man heute sieht, hat es
geklappt. Die Gouldamadine dürfte wohl der am meisten gezogene
Wildvogel sein.





Verbreitung,
Lebensraum


Die
Gouldamadine stammt aus dem nördlichen Australien, da wo es am
heißesten ist. Sie lebt in den Eukalyptussavannen an den Ufern
von Wasser, gleich ob Tümpel oder sonstiges, welche sich nach
der Regenzeit bilden. Dort herrschen über Tag 40 °C und über
Nacht 30 °C bei einer Luftfeuchte von 60 bis 90 %. Hier tragen
bald nach der Regenzeit Gräser ihren halbreifen und reifen
Samen, den die Gouldamadinen so lieben. Pünktlich zur Aufzucht
der Jungen sind auch Termiten oder andere Insekten in großer
Zahl vorhanden.





Kennzeichen


Die
Gouldamadine hat einschließlich Schwanz eine Größe
von 15 cm. Sie hat in ihrem Verbreitungsgebiet keine Unterarten
gebildet, sondern nur 3 Farbvarianten, von verschiedenen Liebhabern
auch als Masken oder Kopffarbe bezeichnet: Schwarz, rot und gelb. Die
schwarzköpfige Variante ist mit etwa 75 %‚ die rotköpfige
mit etwa 24 % und die gelbköpfige sehr selten vertreten. Ihre
Vererbung der Kopffarben ist ja allgemein bekannt und braucht nicht
extra erwähnt zu werden.


Es
ist heutzutage sehr schwierig reinerbige Gouldamadinen in der
Wildfarbe zu bekommen, da ja genügend Mutationen wie Weißbrust,
Gelb und Blau aufgetreten sind. Die wildfarbigen Gouldamadinen haben
es mir angetan, sie gefallen mir am besten. Bei ihnen findet man die
kräftigsten und farblich schönsten Vögel. Gerade die
Männchen sind faszinierend mit ihrem farbigen Kopf, der tief
violetten Brust und dem anschließend goldgelbem Bauch. Die
Weibchen sind etwas matter in der Farbe von Brustschild und Bauch.
Rote und gelbe Kopffarben können ziemlich mit schwarzen Federn
durchzogen sein. Während der Brutzeit nimmt der Schnabel eine
schwarze Farbe an.


Jungvögel
sind oberseits grauolivgrün und Brust und Bauch sind grau. Der
Schnabel ist schwarz. Der Nestling ist nackt und fleischfarben. Am
Schnabelwinkel befinden sich zwei blaue und dazwischen eine gelbe
Papille. Im Rachen befinden sich fünf schwarze Punkte, zwei auf
der Zunge, zwei in der Spitze des Oberschnabels und ein Hufeisen im
Unterschnabel.





Unterbringung


Meine
Gouldamadinen sind in einer Innenvoliere untergebracht. Ihre Größe
beträgt 3 m L x 1,50 m B x 1,50 m H. In ihr sind drei Paare
untergebracht. Im Mittelpunkt der Voliere hängt ein
Korkenzieherhaselstrauch, dessen dünne Ästchen sehr viel
Windungen besitzen. Hier können sich Jung und Alt zu ihren
sozialen Stunden treffen. Nistkästen für jedes Paar zwei
Stück, sind an den Wänden in genügendem Abstand oder
durch eine Sperrholzplatte voneinander abgegrenzt vorhanden. Darin
werden von mir aus Scharpie und Kokosfasern Nester vorgeformt, was
von den Gouldamadinen akzeptiert wird. Nach jeder Brut werden die
Kästen gereinigt und desinfiziert. An den Volierenwänden
sind Kiefernäste zwischen den Nistkästen gesteckt. Gerade
dieses Grün lässt die Gouldamadinen in ihren prächtigen
Farben so richtig auffallen. Der Boden ist ziemlich dick mit Sand
belegt, auf dem von mir Teile von vermoderten Asten oder Stubben
gelegt werden. Alles weiche Vermoderte wird sauber von den Goulds
abgearbeitet und gefressen, so dass nur das harte Holz zurückbleibt,
welches hinterher wieder ausgetauscht wird. An zwei Stellen wird
Futter in Schalen und Wasser in Trinkröhrchen angeboten. Zum
Baden aber sind Badehäuschen für das tägliche Bad
aufgestellt, welche früh am Morgen und am späten Nachmittag
für etwa eine Stunde gereicht wird. Das ist jeweils die Zeit,
welche ich benötige alle meine Vögel zu versorgen.





Fortpflanzung


Die
Gouldamadinen sollten nicht vor einem Jahr zur Brut herangezogen
werden. Sie gehen eine Dauerehe ein, was heißt, sie bleiben ihr
ganzes Leben beisammen. Bei richtiger Ernährung brüten sie
das ganze Jahr. Es ist empfehlenswert die Brutzeit erst im Frühjahr
beginnen zu lassen, damit man in der freien Natur Wildkräuter
mit Samen frisch verfüttern kann. Es hat ja nicht jeder eine
große Gefriertruhe zum Einfrieren. Man sollte aber nicht mehr
als drei Bruten zulassen, damit die Weibchen nicht „ausgelaugt“
werden.


Das
Männchen balzt frontal, mit gesträubtem Nackengefieder
präsentiert es seine leuchtenden Farben. Dann verbeugt es sich,
fährt blitzschnelle seitliche Kopfbewegungen aus, stellt sich
dann aufgereckt hin und lässt sein Lied hören. Das Männchen
macht mit dem «ßrüit»-Ruf das Weibchen auf den
Nistkasten aufmerksam. Sagt dieser Kasten dem Weibchen zu, antwortet
es mit «wiwiwi». Das Männchen sammelt Material und
übergibt dieses dem Weibchen zum Nestbau. Die meisten
Kopulationen werden im Nistkasten durchgeführt. Ist das Gelege
mit fünf bis sieben Eiern komplett, so fängt das Weibchen
direkt in der Folgenacht mit der Brut an. Den Tag über wechseln
sich die Partner ab. Nach 14 bis 15 Tagen schlüpfen die Jungen.
Sie werden etwas über eine Woche gehudert. Sind die
Gouldamadinen in einer Außenvoliere, so kann es für die
Jungen kritisch werden und sie verklammen. In der Innenvoliere
verläuft alles ordnungsgemäß, wenn die Raumtemperatur
nicht zu niedrig ist. Zwischen dem 8. und 10. Tag werden die Jungen
beringt. Nach drei Wochen verlassen sie das Nest und kehren nicht
mehr dorthin zurück. Nach weiteren zwei bis drei Tagen sind sie
selbständig. Sie sollten bis nach der Mauser bei den Eltern
verbleiben. Bei besonders günstigen Bedingungen, können die
Jungvögel schon zwei bis drei Wochen nach der Selbeständigkeit
mit ihrer ersten Brut beginnen. Dann wird aber die Tugendmauser
unterbrochen.


Eine
weitere Besonderheit der Gouldamadinen liegt im Zusammenhalt der
Familie bzw. man kann auch von Großfamilie sprechen. Sind die
Altvögel mit der Zweitbrut beschäftigt und die Jungen
der Erstbrut befinden sich noch bei den Eltern, dann besteht durchaus
die Möglichkeit, dass auch sie die Jungen füttern


Auch
bei den Gouldamadinen gibt es die sogenannten „Helfer am Nest“.
Befindet sich eine Gouldamadine in der Voliere, der vor gar nicht
langer Zeit der Partner eingegangen ist und noch kein Ersatz gefunden
wurde, so füttert diese, gleich ob Männchen oder Weibchen,
die laut bettelnden Jungen. Die Eltern lassen während der
Huderzeit keine fremde Gouldamadine ans Nest, sind aber danach mit
der Fütterung der Jungen von der Sitzstange des Nistkastens aus
einverstanden.





Mauser


Die
Jungvögel beginnen im Alter von sechs bis acht Wochen mit der
Mauser und im Alter von drei bis vier Monaten ist sie unter normalen
Verhältnissen beendet. Stimmen die Bedingungen nicht, wie
beispielsweise die Temperatur, Helligkeit und Ernährung, so kann
sie sich durchaus ein Jahr hinziehen.





Ernährung


Die
Gouldamadine frisst nur das, was sie kennt. Hier empfiehlt es sich,
für ein paar Tage einen Kanarienvogel oder einen Zebrafinken
beizusetzen, da diese alles fressen. Die Gouldamadine sieht es,
leichter Futterneid kommt auf und sie frisst das neue Futter. Sie
gibt das Erlernte auch an die Jungen weiter.


Gouldamadinen
lieben einen abwechslungsreichen Speiseplan, sind aber ansonsten
anspruchslos. Ihnen stehen täglich drei Mischungen zur freien
Aufnahme zur Verfügung. Zuerst eine Gouldamadinenmischung aus
Senegal-, Manna-, Mohair-, Japan-, Silber-, La-Plata-Hirse und Glanz.
Zum Zweiten eine Hänfling-Girlitz-Mischung worin Negersaat,
Perilla, Rübsen, Glanz, Grassamen, Salatsamen, Zichorien,
kleinkörnige Fichte usw. vorhanden sind und weiterhin eine
Wildsamenmischung. Bei gutem Wetter bekommen sie täglich frisch
geerntete Wildkräuter, welche in Büschen aufgehängt
werden. Selbst im Winter kann man dem nachkommen und wenn es nur
Vogelmiere ist. Zusätzlich nehmen sie gern ein Stück Gurke
oder ein Stückchen vom Apfel. Bei ganz verregneten oder
verschneiten Tagen besteht immer noch die Möglichkeit Keimfutter
zu verfüttern. Die Keimzeit kann verkürzt werden, indem die
Schüsseln mit der Saat auf die Heizung gestellt werden, wo sie
sehr gut keimen. Kolbenhirse hängt immer in der Voliere, Gelb
wird mit Rot abgewechselt. Zur freien Aufnahme stehen ihnen Grit,
Laubbaumerde von Buchenstubben und Kalk bzw. zerkleinerte Eierschalen
zur Verfügung. Das Aufzuchtfutter mit trockenen Insekten eines
bekannten Herstellers, für die Aufzucht der Jungen, wurde kaum
beachtet.


Beim
Lebendfutter verweigerten sie Ameisenpuppen, Blattläuse und
Mehlkäferlarven. Sie nahmen nur frische Puppen des Mehlkäfers
zu sich. Nehmen sie kein Lebendfutter an, so reicht die Gabe von
Keimfutter. Das Wasser wurde zur Aufzuchtzeit und während der
Mauser zweimal in der Woche vitaminisiert.





Ausklang


Werden
die Gouldamadinen in der Gruppe gehalten, so kommen sie erst richtig
zur Entfaltung. Stimmt die Temperatur, ist die Ernährung
ausgewogen und unsere Gouldamadinen sind gesund, so ist ihre Züchtung
als sehr leicht zu bezeichnen. Die Gouldamadine ist eine der
schönsten Prachtfinken und besonders von Liebhabern begehrt. Der
Trend geht in letzter Zeit mehr und mehr zur wildfarbenen
Gouldamadine. Gerade diese Nachfrage ist gut, je mehr werden von ihr
gezogen und wir brauchen keine Angst zu haben, dass in ein paar
Jahren reinerbige wildfarbene Gouldamadinen verschwunden sind.



Copyright: Manfred Giebing
Norken, Deutschland
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