Der Stieglitz - Haltung und Zucht
(Quelle: AZ-Nachrichten 08/00)
Artikel geschrieben von Thomas Wendt

Carduelis
carduelis
(Linne, 1758)


engl.
(European): Goldfinch


von:
Th. Wendt (31240)











Allgemeines


Der
Stieglitz, er wird aufgrund seiner Vorliebe für Distelsamen auch
Distelfink genannt, zählt zu den häufigsten in Menschenhand
gehaltenen einheimischen Singvögeln. Seine farbenfrohe
Gefiederfärbung, sein zutrauliches Wesen und nicht zuletzt sein
interessantes Verhalten machen ihn so beliebt. In den jährlichen
Nachzuchterhebungen steht er bei den heimischen Singvögeln
zahlenmäßig ganz oben. Obwohl in der Vergangenheit schon
viel über den Stieglitz geschrieben wurde, möchte ich meine
Erfahrungen vor allen Dingen den Anfängern in der Zucht
heimischer Vögel nicht vorenthalten.





Im
zoologischen System wird der Stieglitz wie folgt eingeordnet:


Klasse:
Aves


Ordnung:
Passerifomes (Sperlingsvögel)


Unterordnung:
Passeres (Singvögel)


Familie:
Carduelidae – Gimpel (Hänflinge)


Gattung:
Carduelis (Stieglitz)



Art: Carduelis
corduelis (Stieglitz)





Beschreibung


Stieglitze
besitzen eine rote Gesichtsmaske. Der Nacken und die Kopfplatte sind
schwarz. Die Wangen, der Bauch, die Oberschwanzdecken und der Bürzel
sind weiß. Die Kehle und die Brust enthalten weiße
Anteile. Der Rücken zeigt eine braune Färbung Die schwarzen
Flügel besitzen einen gelben Spiegel. Die Spitzen der Schwingen
zeigen weiße Flecken. Die schwarzen Schwanzfedern zeigen
ebenfalls weiße Flecken. Der lange schmale Schnabel ist
hornfarben und besitzt eine schwarze Spitze. Die Beine sind
fleischfarben und die Augen bräunlich. Jungvögel haben
ebenfalls schwarze Flügel und Schwanzfedern. Ansonsten lassen
sie jedoch jegliches Rot und Schwarz vermissen. Der Kopf, die Brust
und die Flanken sind dunkel gefleckt. Trotz der ausgesprochen bunten
Gefiederfärbung sind Stieglitze in der Natur kaum auffällig.
Oft hört man nur ihr Gezwitscher. Erst dann kann sie nach
genauem Hinsehen ausmachen. Ihre Gefiederfärbung bildet eine
ausgezeichnete Tarnung. Die vielen Unterarten sind oft nur schwer zu
unterscheiden Am einfachsten ist es, die Nominatform
C. c. carduelis und die Unterart C. c. Major zu bestimmen.
Um
einmal eine größere Stückzahl an Stieglitzen in
verschiedenen Unterarten vergleichen zu können, ist es
lohnenswert eine große Vogelschau zu besuchen. Hier bietet sich
in erster Linie die jährliche, im Herbst stattfindende,
AZ-Bundesschau in Kassel an.





Geschlechtsbestintmung


Stieglitze
lassen sich nur aus nächster Nähe nach Geschlechtern
bestimmen. Nach meinen Erfahrungen gibt es zwei einigermaßen
sichere Anhaltspunkte um Stieglitze nach Geschlechtern unterscheiden
zu können. Zum einen die rote Gefiederfärbung über den
Augen. Beim Männchen reicht das Rot über den Hinterrand des
Auges. Beim Weibchen dagegen reicht das Rot über dem Auge meist
nur bis zur Mitte des Auges. Manchmal, vor allem bei ältern
Weibchen, bis knapp an den hinteren Rand des Auges. Ein zweites
Merkmal ist die Färbung der kleinen Flügeldecken. Zur
Bestimmung werden die Vögel in eine Hand genommen und ein Flügel
mit der anderen Hand abgespreizt. Nun stellt man beim Männchen
mit rein schwarze kleine Flügeldecken fest. Das Weibchen dagegen
zeigt braun durchsetzte kleine Flügeldecken.





Vorkommen


Stieglitze
bewohnen in vielen Unterarten Europa, Nordafrika und Teile Asiens.
Hier besiedeln sie vor allem Waldränder, Gehölze,
Obstbaumplantagen, Gärten, Parks, und Friedhöfe. Im Herbst
sieht man oft größere Trupps in Gesellschaft mit Erlen-
und Birkenzeisigen. Brachflächen, Erlen- und Birkenbestände
werden bevorzugt aufgesucht. Die nördlichen und östlichen
Populationen sind überwiegend Zugvögel. Unsere heimischen
Populationen sind Teilzieher.





Unterbringung


Meine
Stieglitze habe ich bisher immer in Gartenvolieren mit einem
angrenzendem Schutzraum untergebracht. Nach meiner Meinung ist dies
die optimale Unterbringung. In diesen Volieren können die Vögel
das ganze Jahr hindurch verbleiben. Ein frostfreier Schutzraum
gewährt auch in strengen Wintern eine Rückzugsmöglichkeit.
Aber auch in Flugkäfigen von mindestens 1,20 m Länge ist es
möglich, Stieglitze zu halten und sogar zur Fortpflanzung zu
bewegen. Ihr interessantes Verhalten und ihre Schönheit kann man
aber erst in einer bepflanzten Freivoliere ausgiebig genießen.
Des weiteren unterliegen die Vögel hier dem natürlichen
Jahreszyklus. In der Gartenvoliere ist es möglich, den Vögeln
ein kleines Biotop zu schaffen. Eine Bepflanzung mit einzelnen
Fichten und Holundersträuchern erwies sich als günstig. Die
Voliere darf nicht zu dicht bepflanzt werden, da der Stieglitz offene
Landstriche bevorzugt. Neben den eben genannten Fichten und
Holunderbüschen, die kaum benagt werden, sollte ein Teil des
Bodens aus einer dichten Vegetation von verschiedenen Wildkräutern
bestehen. Diese bieten den Vögeln eine weitere Nahrungsquelle
und dem Betrachter einen schönen Anblick. Um den Vögeln
einen gewissen Schutz zu bieten, aber auch um Nistgelegenheiten und
Sitzplätze zu schaffen, sollte die Voliere zusätzlich mit
Kiefernzweigen bestückt werden. Kiefernzweige haben den Vorteil,
dass die nach dem Austrocknen ihre Nadeln nicht abwerfen. Ein
Futtertisch sollte im Schutzraum angebracht werden. Badewasser dient
bei mir gleichzeitig als Trinkwasser. Um die Volierenvögel vor
Raubzeug zu schützen, ist ein ausreichend tiefes Fundament erste
Voraussetzung. Ein Weidezaungerät wehrt Katzen und andere
unliebsame Gäste sehr erfolgreich ab. Eine Doppelverdrahtung
verhindert, dass Tag- und Nachtgreife aufgeschreckte Vögel
verletzen oder gar töten. Eine Notbeleuchtung innerhalb der
Außenvoliere dient nachts als Orientierungshilfe für
aufgeschreckte Vögel. Viele Stieglitze bauen auch in der Voliere
ihre Nester gerne freistehend. Durch eine natürliche Bepflanzung
und durch das Anbringen von Kieferngezweig stehen bereits geeignete
Nistgelegenheiten zur Verfügung. Aber auch künstliche
Nisthilfen werden sehr gerne angenommen. Kaisernester, Nistklötze
und verschiedene Körbchen seien hier an erster Stelle genannt.
Die künstlichen Nisthilfen sollten mit kleinen Koniferenzweigen
verkleidet sein. Stieglitze wollen von ihrem Nistplatz aus die nähere
Umgebung überblicken können. So werden bevorzugt Nistplätze
direkt unter der Volierendecke angenommen. Es ist ratsam die
Nisthilfen im überdachten Teil der Voliere anzubringen.
Zumindest sollte das Volierendach über dem Bereich des Nestes
mit durchsichtigem Plastik oder mit Glas abgedeckt werden. Außerdem
ist an Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung zu denken. An
Nistmaterial werden sowohl käufliche als auch natürliche
Materialien angenommen. Scharpie, Kokosfasern, Autopoliturwatte,
Tierhaare, Federn, Moos, Wurzelfasern und kleine Birken- und
Fichtenzweige werden verbaut. Zum Verstärken der Nestwände
verarbeiten Stieglitze gerne Spinnweben.


Eine
Vergesellschaftung ist mit fast allen europäischen Singvögel
möglich. Es muss aber darauf geachtet werden, dass die Voliere
nicht überbesetzt wird. In Volieren von zum
Beispiel sechs Quadratmetern Grundfläche sollte man nicht mehr
als zwei Paare
setzen. So haben die Vögel genügend
Raum und die Bepflanzung leidet wenig.





Zucht



In einer einigermaßen
naturgemäß eingerichteten und nicht überbesetzten
Voliere oder Flugkäfig sowie bei einer abwechslungsreichen und
auf den Stieglitzen abgestimmten Ernährung, lässt der
Bruterfolg nicht lange auf sich warten. Um eine gute Harmonie unter
den Partner zu erlangen, ist es ratsam, mehrere Stieglitze in einer
Voliere zu halten. Wenn die Vögel bereits im Winter
zusammengehalten werden, hat man genügend Zeit, um harmonierende
Vögel abzusondern. Farbige Beringung der einzelnen Vögel
ist bei dieser Methode von Vorteil. Hat man seine Paare
zusammengestellt, beginnen die Vögel an den ersten warmen Tagen
des Jahres bereits mit der Balz. Stieglitze sind wahrlich keine
Sängerfürsten, dafür wird der Gesang aber unermüdlich
vorgetragen. Schon bald schnäbeln die Partner und der Beginn des
Nestbaus steht kurz bevor. Ich konnte bisher nur das jeweilige
Weibchen beim Nestbau beobachten. Das Männchen ist dabei stets
in der Nähe. Ist das Nest erstellt, liegt auch bald das erste Ei
im Nest. Mit durchschnittlich fünf Eiern ist das Gelege komplett
und wird nur vom Weibchen bebrütet. Während der Bebrütung
des Geleges wird das Weibchen sehr sorgsam vom Männchen am Nest
versorgt. Es verläßt das Nest nur zum Trinken und um Kot
abzusetzen. Die Jungen schlüpfen nach etwa 13 Tagen. In den
ersten Tagen gibt ausschließlich das Weibchen Futter an die
Jungen. Diese Futter wird aber vom Männchen vorher an das
hudernde Weibchen übergeben. Die Gabe von tierischer Nahrung ist
jetzt sehr wichtig. Blattläuse und Ameisenpuppen sollten in
ausreichender Menge gegeben werden. Auch Fruchtfliegen und anderes
Lebendfutter wird gerne angenommen. Nach drei bis vier Tagen
beteiligt sich das Männchen an der Jungenfütterung. Nun
sucht auch das Weibchen selber nach Nahrung. Keimfutter ist zu diesem
Zeitpunkt eine sehr nahrhafte Quelle. Außerdem sollten
reichlich Wildkräuter gereicht werden. Vor allem die Samen des
Löwenzahns werden äußerst gerne genommen. Werden die
Jungen erst einmal gut angefüttert und das angebotene
Aufzuchtfutter angenommen, ist schon ein großer Schritt in
Richtung erfolgreiche Aufzucht getan. Nach etwa 16 bis 17 Tagen
verlassen die Jungen das Nest. Sie werden weiterhin von beiden
Elterntieren versorgt. Schon bald beginnt das Weibchen bereits wieder
mit dem Nestbau. Dann ist bis zur Selbständigkeit der Jungen
ausschließlich das Männchen für die Versorgung der
Jungen zuständig. Nachdem die Jungen allein genügend Futter
aufnehmen und nicht mehr vom Altvogel versorgt werden sollten sie in
eine seperate Voliere gesetzt werden, um die bereits wieder brütenden
Elterntiere nicht zu stören. Die Beringung der Jungvögel
sollte etwa am fünften oder sechsten Lebenstag erfolgen. Für
den Stieglitz benutzt man einen Ringdurchmesser von 2,7 mm. Die
Beringung junger Stieglitze macht keine Schwierigkeiten. Vorsorglich
kann man die Ringe mit Leukoplast umkleben oder Ventilgummi
überziehen. Nach sechs Tagen können die Jungen ihre Beine
eigentlich schon sehr gut unter den Leib ziehen. Dann können die
Alttiere die Ringe auch nicht mehr sehen und kommen gar nicht erst in
Versuchung, diese aus dem Nest zu transportieren.





Fütterung



Im Handel werden
bereits seit längerer Zeit auf die jeweilige Vogelart
abgestimmte Futtermischungen angeboten. So auch für Stieglitze.
Da ich immer verschiedene Vögel halte greife ich auf zwei
Blattner-Mischungen zurück. Die beiden Futtersorten, ich mische
sie im Verhältnis 1:1, nennen sich Waldvogel 1 und Waldvogel
spezial. Diese beinhalten u. a. geschälte Sonnenblumenkerne,
Perilla, kleine Fichtensamen, Salatsamen, verschiedene Grassamen,
Mohn, Sesam, Zichorien, Negersaat. Weiterhin reiche ich Distel- und
Nachtkerzensamen. Außerdem naschen die Stieglitze auch an
Futtermischungen für Hakengimpel und Kreuzschnäbel. Ab
Anfang März wird Keim- oder Quellfutter gereicht. Diese sehr
vitaminreiche Futter bildet auch für die Jungenaufzucht der
Stieglitze eine sehr wichtige Nahrungsquelle.



Grünfutter gebe
ich je nach Jahreszeit. Löwenzahn wurde bereits angesprochen.
Weiterhin gehören Vogelmiere, Wegwarte, verschiedene Distel- und
Ampferarten, Hirtentäschel, Kreuzkraut. Knöterich, Gräser
und auch Erlen- und Birkenzweige auf den Speiseplan. Süße
Apfel und Salatgurken werden das ganze Jahr hindurch gereicht. Nach
einer gewissen Gewöhnungszeit gehen die Stieglitze gerne an ein
Eifutter. Dieses kann man im Handel erwerben und auch selber
herstellen.



Lebendfutter für
die ersten Lebenstage der Jungen sollte in Form von Blattläusen,
Ameisenpuppen, kleinen, gut genährten Mehlkäfer- und
Getreideschimmelkäferlarven und Wiesenplankton gereicht werden.
Futterkalk, Grit, abgekochte und zerstoßene Eierschalen oder
auch Taubenstein wird ständig angeboten.





Zusammenfassung/Anmerkungen



Vor allen Dingen wegen
seiner wunderschönen Gefiederfärbung wird der Stieglitz
schon seit Jahrhunderten in Menschenhand gehalten. Stieglitze werden
regelmäßig nachgezogen. Die Bestände in Menschenhand,
so hoffe ich, dürften eigentlich gesichert sein. Es sollte
angestrebt werden, unterartenreine Vögel zu vermehren. Leider
wurde und wird der Stieglitz immer noch zur Mischlings- und
Mutationszucht „mißbraucht‘. Die nachgezogenen Vögel
dieser Zuchtformen stehen dann für eine artenreine Weiterzucht
dieser Vogelart nicht mehr zur Verfügung. Es ist sehr schade,
dass Züchter und auch Funktionäre in den Verbänden
diese Zuchtformen tolerieren, ja sogar vorantreiben. Es sollte doch
lieber versucht werden, unsere heimischen Vögel in ihrer
Wildform zu erhalten. Leider siegt hier nur allzu oft der Spieltrieb
des Menschen über die Vernunft. Glücklicherweise überwiegen
aber die Vogelliebhaber, die der Reinzucht allererste Priorität
zukommen lassen. Ich hoffe für die Zukunft, dass unsere
heimischen Volierenvögel nicht irgendwann den Wandel vollziehen
(müssen), wie z. B. der Zebrafink. Wenn ich den mittlerweile
großen und kräftigen, standardisierten Schauzebrafink
betrachte und ihn mit der Wildform vergleiche, fällt auf, dass
die Gemeinsamkeiten immer weniger werden. Vielleicht müssen
Schauzebrafinken irgendwann einmal aufgrund ihrer Größe
sogar in Wellensittich-Teamkäfigen ausgestellt werden.






Zurück zum Thema.
Abschließend soll der Stieglitz den Anfängern in der
Waldvogelzucht empfohlen werden. Als „Einstiegsvogel‘
erachte ich diesen bunt gefärbten Gesellen, neben dem Erlen- und
Birkenzeisig, als optimal.



Copyright: Thomas Wendt
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