Ein Gartenrotschwanz-Jahr
(Quelle: AZ-Nachrichten 01/00)
Artikel geschrieben von Thomas Wendt

Phoenicurus
phoenicurus
(Linne, 1758)


engl.:
Redstart


von:
Th. Wendt (31240)








Allgemeines


Seit
mehreren Jahren halte und züchte ich Gartenrotschwänze. Ich
möchte in dem heutigen Beitrag mein Gartenrotschwanz-Zuchtjahr
1999 beschreiben. Einige Züchter sagen, im Gegensatz zu der
zweiten, bei uns heimischen Rotschwanzart, dem Hausrotschwanz, ist
die heute beschriebene Art wesentlich heikler. Dies kann ich,
aufgrund meiner Erfahrungen der letzten Jahre mit beiden Arten,
teilweise unterstreichen. Im Bezug auf Fütterung, Anpaarung und
Überwinterung sollten einige wichtige Aspekte beachtet werden.
Aber lassen sich doch beide Arten sehr gut halten und züchten.
Der Vollständigkeit halber werde ich den Gartenrotschwanz in
Kürze beschreiben und seinen Lebensraum vorstellen. Der
Schwerpunkt soll aber auf der Unterbringung, Zucht und vor allem auf
der Fütterung liegen. Nur zu oft wird der letztgenannte Punkt in
Berichten vernachlässigt. Manchmal hat man den Eindruck, dass
einige Züchter ihre Erfahrungen und Praktiken als Geheimnis
ansehen und diese dürfen dann auf keinen Fall weitergegeben
werden.





Vorkommen


Der
Gartenrotschwanz besiedelt fast ganz Europa, aber auch in Teilen
Asiens und Nordafrikas ist er anzutreffen. Bei uns lebt er vorwiegend
an Waldrändern sowie in Parks, auf Friedhöfen und in alten
Gärten. In Dörfern kann man ihn ebenso antreffen wie auch
an Stadträndern. Leider gehen seine Bestände weiter zurück.
In einigen Gegenden kommt er schon nicht mehr vor.





Beschreibung


In
der Beschreibung möchte ich mich kurz fassen. Auf den Bildern
kann man seine Gefiederfärbung recht gut erkennen. Das Männchen
zeigt im Prachtkleid ein überwiegend rostrotes Gefieder. Daneben
stechen die schwarze Kehle sowie die schwarzen Kopf- und Halsseiten,
der weiße Stirnfleck und die graue Oberseite ins Auge. Der
rostrote Schwanz ist für alle Rotschwänzchen
charakteristisch. Das Weibchen ist hellbraun gefärbt und ähnelt
dem Hausrotschwanzweibchen, ist aber unterseits wesentlich heller
gefärbt. Die Jungvögel sind dunkel gefleckt und somit sehr
gut von jungen Hausrotschwänzen zu unterscheiden. Diese sind
vollkommen ungefleckt.





Unterbringung


Zu
Beginn des vergangenen Zuchtjahres standen mir ein vierjähriges
Männchen sowie jeweils ein einjähriges Männchen und
Weibchen zur Verfügung. Ich entschied mich für den Versuch,
das ältere, bruterfahrene Männchen mit dem jungen Weibchen
zu verpaaren. Das überzählige Männchen wurde abseits
der Zuchtvolieren in eine große Gemeinschaftvoliere
gegeben.Nach der Überwinterung in meinem frostfreien Vogelhaus,
hier waren die Rotschwänze getrennt untergebracht, kam das
Männchen Mitte April in die vorbereitete Zuchtvoliere. Das
Weibchen bezog die benachbarte Voliere.
Die
Zuchtvoliere für die Gartenrotschwänze ist sechs
Quadratmeter groß, bei einer Höhe von etwa 2,50 m. Ein
Drittel dient hierbei als Wetterschutz. Der Einflug bzw. Eingang zu
diesem Unterstand hat etwa die Größe einer kleinen
Zimmertür. Ein weiteres Drittel der Voliore ist mit
Plastikplatten überdacht. Ein Drittel ist demnach ungeschützt.
Die Fütterung erfolgt im Unterstand auf einem abnehmbaren und
somit leicht zu reinigenden Futterbrett. Das Trink- und Badewasser
wird in einer selbsterstellten Betonschale in 80 cm Höhe
gereicht. Ein Abfluß und auch ein Zulauf sorgen für
Arbeitserleichterung.
Diese Voliere ist mit
stachellosen Brombeerpflanzen, Erdbeerpflanzen, einer kleinen Fichte,
Heidestauden, Brennesseln, Disteln, Vogelmiere und anderen Kräutern
recht dicht bewachsen. Ein kleiner Haufen mit Findlingen und morsche
Baumstümpfe sind ebenso vorhanden. Vergesellschaftet waren die
Gartenrotschwänze in dieser Voliere mit Haubenmeisen und
Mönchsgrasmücken. Mehrere Nistkästen in verschiedenen
Formen wurden sowohl im Außen- wie auch im Innenberoich
angeboten. Nistmaterial wurde in Form von käuflichen Stoffen wie
Scharpie und Kokosfasern angeboten. Natürlich wurden auch
allerlei natürliche Materialien gereicht. In erster Linie
trockene Gräser, Wurzelfasern, Tierhaare, Federn, Moos und sehr
kleine Zweige.





Zucht


Ein
großes Problem bei der Zucht von Gartenrotschwänzen stellt
das Anpaaren der vorgesehen Partner dar. Eine freie Auswahl der
Partner ist fast unmöglich. Man kann in eine Voliere nicht
mehrere Vögel dieser Art geben. Sie verteidigen gegen
Artgenossen ihr Revier bis in den Tod, egal ob gegen Männchen
oder Weibchen. So bleibt nur das Verpaaren in nebeneinander liegenden
Volieren. Erst wenn hier ein Anpaaren stattgefunden hat, kann man die
Vögel zusammen lassen.
Nachdem ich meine
Vögel in die benachbarten Volieren gab, kam es zu häufigen
Streitereien am Volierendraht. Dies legte sich aber nach einigen
Tagen. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Erst wenn die Partner gemeinsam
auf einem Zweig sitzen, der durch den Draht ragt und sie sich nicht
mehr am Draht bekämpfen und wenn das Männchen beginnt, dem
Weibchen Nistgelegenheiten zu „zeigen ‚ kann ich es wagen,
das Weibchen in die Voliere des Männchens zu lassen. Dies sollte
aber unter Aufsicht geschehen. Jetzt sind Verfolgungsjagden zu
beobachten. Erst wenn diese zu heftig erscheinen, sind die Vögel
wieder zu trennen. Aber fast immer konnte ich jetzt die Vögel
zusammen lassen. So auch bei meinem neu zusammengestellten Paar.
Immer wieder konnte ich jetzt beobachten, wie das Männchen eine
Nisthöhle mit zwei ovalen Einfluglöchern anflog und sich
davor dem Weibchen zeigte. So vergingen noch einige Tage. Es war
jetzt Mitte Mai und ich konnte noch keinen der Partner mit
Nistmaterial beobachten. Bei einer Kontrolle der Nistgelegenheiten
fand ich dann ein Nest mit vier Gartenrotschwanzeiern. Das Weibchen
hatte sich für den Nistkasten entschieden, welchen das Männchen
zuvor sehr oft anflog. Bei
Kontrollen des Nistkastens in den folgenden drei Tagen stellte ich
fest, dass das Gelege letztendlich aus sechs Eiern bestand. Nun
wurden keine Kontrollen mehr durchgeführt. Sobald ich nun die
Voliere betrat stieß das Männchen Warnlaute aus und
schwirrte aufgeregt um meinen Kopf. Ich führte nun nur noch
notwendige Arbeiten in der Voliere durch. Diese beschränkten
sich auf die Fütterung und auf die Reinigung des Wasserbeckens.

Da die Brutzeit der Gartenrotschwänze bei
etwa 13 Tagen liegt, konnte ich das Schlupfdatum errechnen. Am
errechneten Datum, Anfang Juni, konnte ich nun das Männchen
verstärkt bei der Aufnahme von Wiesenplankton beobachten.
Plötzlich saß auch das Weibchen auf dem Rand des Eimers
mit dem Wiesenplankton. Nach drei Tagen war die Neugier nicht mehr zu
bremsen. Ich wagte einen Blick in den Nistkasten. Vier gleich
kräftige Jungvögel und zwei unbefruchtete Eier lagen im
Nest. Am sechsten Tag beringte ich zwei Jungtiere mit 2,5 mm Ringen
und zwei mit 2,7 mm Ringen. Ununterbrochen versorgten die Elterntiere
ihre Jungen. So vergingen die Tage. Kontrollen führte ich aber
nicht mehr durch. Zu groß ist die Gefahr, dass die Jungen
aufgeschreckt das Nest verlassen. Als die Jungen den Nistkasten
verließen, konnten sie bereits sehr gut fliegen. Sie saßen
nicht unten. sondern hielten sich immer in den oberen
Volierenregionen auf. Sie wurden weiterhin sehr gut versorgt. Nun
hoffte ich auf eine weitere Brut. Doch meine Hoffnungen verflogen,
als ich einige Tage später bei den Altvögeln erste
Mauserlücken feststellte. Die Jungen wurden trotzdem sehr gut
verfüttert und waren bald selbständig. Nun trennte ich sie
von den Alttieren. Jeder Gartenrotschwanz wurde in eine separate
Voliere gegeben. Die Jungen entpuppten sich als drei Weibchen und ein
Männchen. Schon recht früh kann man die Männchen an
den ersten weißen Stirnfedern erkennen.





Fütterung


Meine
Gartenrotschwänze erhalten das ganze Jahr hindurch ein
Weichfresserfutter und verschiedenes Lebendfutter. Der Jahreszeit
angemessen, im Winter wenig Lebendfutter und zur Jungenaufzucht
unbegrenzte Mengen. Das Weichfresserfutter stelle ich selber her. Ich
habe schon des öfteren über die Herstellung berichtet. Um
25 kg Trockenmischung für mein Weichfresserfutter herzustellen,
benötige ich folgende Zutaten: 5 kg Quiko Kraft- u.
Aufzuchtfutter, 0,5 kg Weizenkeime, 0,5 kg Weizenkleie, 2,5 kg
Kückenaufzuchtfutter (fein), 1 kg Lämmeraufzuchtmilch
(Pulverform) und folgende zerkleinerte Zutaten: 2 kg zarte
Haferflocken, 1 kg Matzinger Gemüse-Hundeflocken, 0,5 kg
Beoperlen, 1 kg Brekkis Katzenpellets, 1 kg geschälte
Sonnenblumenkerne, 1 kg Trauben-Nuß-Müsli, 1 kg
Bircher-Müsli, 8 kg Bisquitbruch.
Die
täglich benötige Menge dieser Mixtur wird mit geriebenem
Apfel, geriebener Karotte und Hüttenkäse angefeuchtet.
Locker und flockig soll es sein, dann wird es sehr, sehr gerne
angenommen und auch an die Jungen verfüttert. Alle Vögel
nehmen es sehr gerne, ob Stelzen, Nachtigallen, Lerchen oder auch
Schwanzmeisen. An Lebendfütter reiche ich in erster Linie
Mehlkäferlarven in allen Größen,
Getreideschimmelkäferlarven, Pinkies, Fleischmaden,
Ameisenpuppen und einigen Vogelarten auch Wiesenplankton. Wird das
Lebendfutter im Vorfeld nicht optimal ernährt, ist es für
den Vogel wertlos, ja sogar ungesund. Die Mehlkäfer- und
Getreideschimmelkäferlarven sollten ständig Feuchtfutter
zur Verfügung haben. Aber nur soviel, wie auch bis zur nächsten
Fütterung der Larven gefressen wird. Es darf auf gar keinen Fall
zur Schimmelbildung kommen. Als Grundfütter dienen Weizenkleie
und Haferflocken. Als Feuchtfutter gebe ich Obst und Gemüse.
Karotten, Apfelscheiben, Bananen, Orangen, Paprika u. ä. werden
sehr gerne angenommen. Die Maden koche ich grundsätzlich ab und
friere sie ein. Ameisenpuppen gebe ich frisch gesammelt und aus
eingefrorenen Beständen. Wiesenplankton gebe ich unregelmäßig.
Bevor ich das Lebendfutter reiche wird es mit Weizenkeimöl,
Olivenöl, Lebertran oder Vitakombex etwas angefeuchtet und
anschließend mit einem Vitaminpräperat bestäubt. Ich
verwende ein Gemisch aus Traubenzucker, Bierhefe, Futterkalk und
einem Multivitaminpulver. Aus diesem Grunde kenne ich auch keine
Vögel, die Mangelerscheinungen wie z. B. geschwollene Füße
oder die Drehkrankheit zeigen. Im Spätsommer und im Herbst
verfüttere ich viele Beeren. Schwarzer Holunder ist sehr beliebt
bei allen Rotschwanzarten.





Zusammenfassung


In
meinen Augen zählen Gartenrotschwänze zu den schönsten
Singvögeln unserer Heimat. Wenn man einige Grundvoraussetzungen
beachtet, hat man sehr viel Spaß an seinen Vögeln. Einem
Anfänger in der Weichfresserzucht würde ich erst einmal die
Haltung des Hausrotschwanzes empfehlen. Hat man dann genügend
Erfahrungen gesammelt, kann man sich den etwas heikleren Arten
widmen. Der Gartenrotschwanz erfreut sich immer größerer
Beliebtheit. Mit den nachgezüchteten Vögeln ist die
Nachfrage aber bei weitem nicht zu decken. Da er auch in der Natur
immer seltener wird, ist es wichtig, die Bestände in
Menschenhand zu erhalten und nach und nach zu vergrößern.
Hierfür müssen die Züchter unbedingt untereinander
kooperieren. Auch in unseren Gärten sollten wir dem
Gartenrotschwanz helfen. Geeignete Nistkästen kann man entweder
kaufen oder selber herstellen.



Copyright: Thomas Wendt
Wilhelmshaven, Deutschland
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