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Bird-Box Klein
Weißbäuchige Sonnenamadine TEIL 2
(Quelle: AZ-Nachrichten 8/89)
Artikel geschrieben von Gerhard Hofmann & Dr.Claudia Mettke Hofmann

Neochima phaeton evangelinae - engl.: White-bellied Crimson Finch - G. Hofmann (16334)


Die Ernährung der Sonnenamadine bereitet im Gegensatz zur Akklimatisierung
der Vögel keine nennenswerten Probleme. Als Grundfutter diente bei mir
ein Gemisch aus gleichen Teilen roter Mannahirse, Senegalhirse, Japanhirse sowie
Glanz. Nur gelegentlich wurde von der zweiten Mischung, bestehend aus Silberhirse,
La-Plata-Hirse und Goldhirse genommen. Während halbreife Kolbenhirse innerhalb
der Ruhephase, ebenso wie Lebendfutter nur einmal die Woche gereicht wird, steht
trockene Kolbenhirse den Vögeln ganzjährig uneingeschränkt zur
Verfügung.

Sonnenamadinen sind regelrecht versessen auf halbreife Sämereien, so dass
namentlich zur Brutzeit der Speiseplan erheblich abwechslungsreicher gestaltet
werden kann. Bei mir haben sich dabei folgende Sämereien bestens bewährt:
Vogelmiere, verschiedene Knötericharten, Sauerampfer, Vergissmeinnicht,
besonders hoch im Kurs stehen halbreifes Getreide sowie verschiedene Gräser
(Flattergras, Raygras, Rispengräser, verschiedene Seggenarten . .

Zum Teil sind Sonnenamadinen jedoch recht eigenwillige Charaktere, die nur ungern
unbekannte Futterarten annehmen, gerade in bezug auf Lebendfutter sind die Gewohnheiten
der Vögel sehr verschieden; für ein ausreichend großes Angebot
ist also Sorge zu tragen. Meine Vögel konnten unter folgenden Futtertieren
wählen:

Mehlwürmer, Pinkys, Ameisenpuppen sowie kleinen Wachsmaden; dabei stellte
sich heraus, dass sich alle Vögel problemlos an Pinkys und kleine Mehlwürmer
gewöhnen ließen. Dagegen wurden Ameisenpuppen teilweise nur zögernd
angenommen, Wachsmaden fanden zum Teil sogar überhaupt keine Beachtung.
Während 4er Zuchtphase wird täglich eine kleine Ration Lebendfutter
gereicht. Sind Jungvogel im Nest, wird Lebendfutter zweimal täglich angeboten;
halbreife Sämereien stehen zu dieser Zeit unbeschränkt zur Verfügung
und die Aufnahme von trockenem Mischfutter wird während der Aufzucht fast
gänzlich eingestellt. Da den Vögeln genügend halbreife Sämereien
zur Verfügung stehen, wird von mir kein zusätzliches Keimfutter angeboten.
Dass den Tieren Grit, Holzkohle sowie abgekochte Eier-schalen immer zur Verfügung
stehen, erachte ich als selbstverständlich. Des weiteren wird die halbreife
Kolbenhirse jeden zweiten Tag mit etwas Nekton MSA oder Osspulvit bestäubt.
Dies hat sich als Vorbeugemaßnahme gegen Legenot, aber auch zur Verhinderung
rachitischer Jungvögel bestens bewährt. Die Futterversorgung ist zur
Zucht und Haltung der Sonnenamadinen nicht unbedingt das Maß der Dinge.
Bedingt durch den hohen Aggressionstrieb der Vögel weicht die Haltung der
Sonnenamadinen zum Teil stark von der für Prachtfinken üblichen Haltungsmethode
ab. Deshalb sollten die folgenden Punkte, welche R. NEFF in seinem Artikel über
weißbäuchige Sonnenamadinen in der ,,Gefiederten Welt", 6/7
81 veröffentlicht hat, bei der Zucht unbedingt beachtet werden.

1. Während der Ruhezeit sind die Sonnenamadinen nach Geschlechtern getrennt
unterzubringen. Dabei hat es sich besser bewährt, sie in Gemeinschaft mit
anderen Vögeln zu halten. In jedem Fall ist es von Vorteil, wenn eine größere
Anzahl von Sonnenamadinen (mindestens drei> in der Voliere sind. Nur so ist
gewährleistet, dass sich die Angriffe nicht auf ein und denselben Vogel
konzentrieren.

2. In eine Gruppe von Sonnenamadinen einen einzelnen Vogel hinzuzusetzen, ist
nahezu aussichtslos. Besser ist es, die gesamte Gruppe mitsamt Neuankömmling
in eine neue Voliere zu setzen.

3. Wer Sonnenamadinen in Gemeinschaftsvolieren zur Brut ansetzt, sollte dabei
auf eine bestimmte Mindestgröße der Voliere achten (2 x 1 x 1 m).
Außerdem sollte man als Mitbewohner nicht gerade Amarantenarten oder sonstige
überwiegend rot gefärbte Vogelarten auswählen. Dass auf keinen
Fall zwei Paar Sonnenamadinen in einer Zuchtvoliere untergebracht werden sollten,
erachte ich als selbstverständlich.

4. Auf keinen Fall dürfen Paare zur Brut angesetzt werden, bei denen ein
Partner nicht in Brutkondition ist. Dies hat für den konditionell schwächeren
Vogel meist letale Folgen; er wird von seinem Partner regelrecht zu Tode gehetzt.
In der Regel sind wohl meist die Männchen die vitaleren und aggressiveren
Tiere, jedoch gibt es auch unter den Weibchen vereinzelt äußerst
unverträgliche Exemplare. In jedem Fall ist ein frisch verpaartes Paar
Sonnenamadinen unter genauer Beobachtung zu halten. Stellt man dabei bei einem
Vogel Verletzungen an den Beinen fest, so ist größte Vorsicht geboten,
denn Sonnenamadinen attackieren bevorzugt die Beine ihrer Widersacher.

5. Wer bei der Zucht nicht auf Nachzuchtvögel zurückgreifen kann,
sollte während des ersten Haltungsjahres die Vögel bei Temperaturen
von ungefähr 22 Grad C. halten, wobei höhere Temperaturen von den
Vögeln toleriert werden.

6. Auch bei Sonnenamadinen gibt es immer wieder Dauerstörenfriede, welche
sich trotz aller Tricks und Kniffe nicht für eine Gemeinschaftsvoliere
eignen. Hier sollte man die einzig richtige Konsequenz ziehen und die Vögel
einzeln unterbringen.

Weitaus unkomplizierter sind die Ansprüche der Vögel an den Neststandort
und das angebotene Nistmaterial. So kann es vorkommen, dass die Vögel trotz
vorhandener Möglichkeiten für ein verstecksliegendes freistehendes
Nest es vorziehen, ihre Brutstätte in einem Nistkasten anzulegen. Dabei
spielt es auch keine Rolle, ob der Neststandort im Halbdunkeln liegt oder ob
der Platz hell erleuchtet ist. Ich hatte noch nie Prachtfinken, welche so variabel
in der Auswahl des Neststandortes waren. Sehr oft haben die Vögel bei mir
mehrere Nester gebaut (bis zu fünf), bis sie sich endlich für eine
der Konstruktionen entschieden.

Als Baumaterial diente vorwiegend Kokosfasern und trockenes Gras. Dabei wird
die für Prachtfinken übliche Arbeitsteilung vollzogen. Das bedeutet,
dass das Nistmaterial nur vom Männchen eingetragen wird, während der
weibliche Vogel sich mit dem Innenausbau beschäftigt. Zur Polsterung des
Nestes werden große Mengen weißer Federn verarbeitet. Die Auspolsterungsarbeiten
sind jedoch mit der Eiablage nicht beendet, selbst wenn die Jungvögel schon
größer sind, werden immer wieder weiße Federn eingetragen.

Mit der Eiablage beginnen die Vögel schon bald nach der Fertigstellung
des Nestes. Mit einer Gelegegröße von durchschnittlich 5,8 Eiern
ist die Eianzahl für Prachtfinkenverhältnisse recht groß. Erfreulich
für uns Züchter ist dabei die hohe Befruchtungsquote. Nur selten kommt
es zu unbefruchteten Eiern (die Gründe sind meist mangelnde Kondition oder
sehr häufig auch zu lange Krallen).

Die Bebrütung des Geleges beginnt meist ab dem vierten Ei. Mit einer Brutzeit
von 13 bis 14 Tagen bewegen sich die Vögel in dem für Prachtfinken
üblichen Rahmen.

Wie auch im Freiland zu beobachten, verlassen manchmal beide Partner für
längere Zeit das Gelege, was jedoch bei normaler Raumtemperatur nicht zur
Schädigung der Embryonen führt. Der Schlupf der Jungvögel erstreckte
sich bei mir meist über zwei Tage. Die etwas später geschlüpften
Jungvögel wurden jedoch genauso gut von ihren Eltern versorgt, wie ihre
älteren Geschwister.

In den ersten Tagen werden fast nur animalische Futterstoffe an die Jungen verfüttert,
erst ab dem siebenten Tag gehen die Altvögel vermehrt dazu über, die
Kleinen mit halbreifen Sämereien zu versorgen. Junge Sonnenamadinen sind
recht lautstarke Jungvögel, deren Bettelgeräusche man schon nach zwei
Tagen das erste Mal hören kann. Bedingt durch die hohen Temperaturen in
ihrer Heimat werden die Jung-Vögel nach einer Woche nachts nicht mehr von
den Eltern gehudert, es ist deshalb unbedingt auf ausreichende Temperatur in
Nestnähe zu achten (bei mir 22 Grad C.). Analog zu dem Verhalten bei meinen
Rotbrustsamenknackern konnte ich jedoch feststellen, dass zwar alle Brutpaare
in den Zuchtkäfigen ihre Jungvögel nach ungefähr derselben Zeit
nachts nicht mehr bedecken, nicht so jedoch das einzige Paar, welches in der
Freivoliere untergebracht war. Dieses Paar hatte die Huderzeit auf 15 Tage ausgedehnt.


Wenn die Jungvögel im Alter von 19 bis 21 Tagen zum ersten Mal das Nest
verlassen, sind sie in ihren Bewegungen schon recht sicher. Klettern und Fliegen
beherrschen die Jungvögel von Anfang an recht gut. Sind noch Nachzügler
im Nest, so werden die Jungvögel zur Fütterung ins Nest zurückgeleitet.
Erst wenn alle Jungvögel ausgeflogen sind, übernachten die Kleinen
außerhalb des Nestes. Während adulte Sonnenamadinen auch beim Übernachten
keinen Körperkontakt zum Partner suchen, weichen Jungvögel in den
ersten Tagen nach Verlassen des Nestes von diesem Schema ab und übernachten
eng aneinandergeschmiegt im Gezweig. Spätestens nach einer Woche halten
jedoch auch die Jungvögel die Individualdistanz zu den anderen Geschwistern
ein. Zur selben Zeit versuchen die Jungtiere erstmals die selbständige
Futteraufnahme. Auch die ersten Streitigkeiten harmloser Art treten in diesem
Alter auf. Die Eltern versorgen die Jungvögel nach dem Ausfliegen aber
mindestens noch zwei Wochen mit Nahrung, dabei werden hauptsächlich halbreife
Sämereien an die Jungen verfüttert. Es empfiehlt sich jedoch, die
Jungvögel solange als möglich bei den Eltern zu belassen (mindestens
vier Wochen). Ein zu frühes Umsetzen führt oft zu unnötigen Todesfällen
unter den Jungvögeln. Nur selten kommt es zu Störungen der zweiten
Brut durch zu neugierige Jungtiere. Da Sonnenamadinen keine Nestschläfer
sind, wird auch das Zweitgelege nicht von den Jungtieren beschmutzt.

Nach drei bis vier Monaten wird das tarnfarbene Jugendgefieder endgültig
abgelegt, die Jungvögel sind dann nur noch anhand der etwas geringeren
Größe von den Eltern zu unterscheiden.

Junge Männchen beginnen meist schon kurz nach dem Erreichen der Selbständigkeit
mit den ersten Gesangsversuchen. Ganz im Gegensatz zur roten Gefiederfarbe führt
der Gesang jedoch nicht zu aggressiven Handlungen des Vaters. Probleme während
der Jugendmauser treten bei Sonnenamadinen nur selten auf. Dennoch ist auf eine
vielseitige Ernährung zu achten, auch große Temperaturschwankungen
sollte man in dieser Phase vermeiden.

Ein weiteres Problem bei der Zucht von Sonnenamadinen stellt der hohe Anteil
männlicher Nachwuchstiere dar. In der Tat wird von keiner anderen Prachtfinkenart
ein solch großer ,,Männerüberschuss" vermeidet. Die Ursache
dafür ist noch weitgehend unbekannt, jedoch ist zu bedenken, dass gerade
Sonnenweibchen weit anfälliger für Krankheiten sind als ihre männlichen
Partner.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit den weißbäuchigen
Sonnenamadinen wohl eine der interessantesten Prachtfinkenarten in unsere Hände
gelangt ist.


Aber kein Licht ohne Schatten, denn die Haltung und Zucht von Sonnenamadinen
fordert vielfach Bedingungen, welche nicht einfach zu erfüllen sind. Wer
mit drei bis vier Paaren züchten will und dabei zu hundert Prozent Erfolg
hat, muss schon über eine recht große Zuchtanlage verfügen.
Wer dagegen meint, mit nur einem Paar zum Erfolg zu kommen, wird leider schnell
feststellen, dass gerade bei Sonnenamadinen ohne ausreichende Zuchtreserve an
einen längerfristigen Erfolg nicht zu denken ist. Bedingt durch diesen
Umstand sind der Verbreitung dieses Vogels bei den Liebhabern sicher Schranken
gesetzt.

Setzt man jedoch die Zuchterfolge bei dieser Art ins Verhältnis zur Anzahl
der importierten Vögel, so ist das Ergebnis mehr als erschreckend. Trotz
jährlich gestiegener Importzahlen sind die Nachzuchten spärlich, ja
im Gegenteil, die meisten Jung-Vögel wurden in den ersten beiden Jahren
nach dem Erstimport erzielt. Dies ist aus Sicht des Artenschutzes nicht zu rechtfertigen
(obwohl sich von Europa aus nur schwer beurteilen lässt, wie sich ein solcher
Aderlass an Kleinvögeln auf die Gesamt-Population auswirkt). Vom Standpunkt
eines Vogelliebhabers muss dies erst recht verwerflich erscheinen. Denn Sonnenamadinen
zählen zu den Arten, welche immer noch sehr hohe Verluste beim Import verzeichnen.
Es mag vielleicht seltsam klingen, aber ich bin mir sicher, der einzige Weg,
diese Vogelart dauerhaft bei uns zu erhalten, führt über einen Importverzicht.
Wenn es nicht gelingt, aus dem Potential an Zuchttieren, welches derzeit bei
uns vorhanden ist, eine gesunde selbsttragende Population aufzubauen, so wird
uns dies auch nach weiteren Massenimporten nicht gelingen. Nur wenn wir es schaffen,
ausgehend von kleinen Importzahlen, stabile Zuchtstämme aufzubauen, ist
die Artenvielfalt in unseren Volieren gesichert. Gerade wir ,,AZ'ler" sollten
uns nicht scheuen, die ersten Schritte zu unternehmen.


Literatur: IMMELMANN, STEINBACHER, WOLTERS: Prachtfinken, Band 2; ROBILLER,
F.: Prachtfinken;

NEFF, R.: Gefiederte Welt, 6/7/8-1981: Sonnenastrilde; PIZZEY, G.: A field guide
to the birds of Australia;

RAND, A. L. & GILLIARD: Handbook of New Guines Birds.



Copyright: Gerhard Hofmann & Dr.Claudia Mettke Hofmann
82319 Starnberg, Deutschland

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