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Bird-Box Klein
Prachtrosella in der Wohnung
Artikel geschrieben von Petra Schoening-Schink

Schon lange hatte ich mit ihm geliebäugelt; dem prächtigen Rosella in meinem
Vogelbuch. Doch von jedem Kenner und Züchter dieser Vögel wurde mir abgeraten,
so ein Tier in der Wohnung und schon gar nicht mit meinen Wellis und dem kranken
Nymphenweibchen zusammen in der Voliere zu halten. Aggressiv seien diese Vögel,
wurde mir gesagt, völlig unverträglich mit anderen Arten und überhaupt nicht in
der Wohnung zu halten. Auf meine Frage, woher diese Weisheit stammt, wurde mir
gesagt: Das weiß doch jeder. Da ich in all den Jahren der Vogelhaltung und
Vogelzucht bereits erfahren mußte, dass nicht immer alles stimmt, was angeblich
jeder weiß, habe ich mir trotz dunkler Vorraussagen und mächtigen Vorwürfen im
November 99 einen Rosellahahn gekauft. Ich dachte mir: probieren geht über
studieren! Außerdem hatte ich ja, da wir unser Wohnzimmer zum Vogelzimmer
umgebaut haben, immer die Möglichkeit, alles zu beobachten und damit meiner
Lieblichsbeschäftigung nachzugehen: der Verhaltenforschung von Vögeln. Deshalb
möchte ich meine bisherigen Erfahrungen hier weitergeben.



Rosella Charly zog bei uns ein. Wir hielten ihn die erste Zeit alleine, im
Papageienkäfig. Da er aus einer Freivolierenzucht stammt, war er diese enge
Wohnung nicht gewohnt, was zur Folge hatte, dass er beim Freiflug mit nichts,
aber auch gar nichts dazu zu bewegen war, dort wieder hineinzugehen. Lieber
hungerte er stundenlang als in den Käfig zu gehen und zu fressen. Er kletterte
gerne an der großen Voliere herum, in der sich die Wellis und ein
Nymphenweibchen befanden.


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Rosellas gewöhnen sich sehr langsam ein. Allem neuen gegenüber sind sie
skeptisch, immer auf der Hut vor vermeintlichen Gefahren und sie werden kaum
zahm. Da sie auch als Paar keinen engen Körperkontakt und keine gegenseitige
Gefiederpflege betreiben, ist es wesentlich schwieriger als beispielsweise bei
Nymphen- oder Wellensittichen, sie an die Nähe des Menschen zu gewöhnen.

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Natürlich hatte ich aufgrund der Vorraussagen Angst, dass er die anderen Vögel
verletzen könnte. Deshalb habe ich die Zusammenführung der Vögel ganz behutsam
und Schritt für Schritt durchgeführt. Und schon während er täglich eine halbe
Stunde an der Voliere herumkletterte, zeigte sich, wer hier vor wem Angst haben
mußte: die dreisten, übermütigen Welliweibchen flogen ihm entgegen und
kletterten von innen hinter ihm her um ihm in die Zehen zu beißen. Unser Charly
führte einen Indianertanz am Volierengitter vor und türmte! Auch die
Wellimännchen machten es ihm nicht leicht; in Anbetracht der großen, bunten
Konkurrenz standen Schwarmführer Hannibal alle Federn zu Berge und laut gurrend,
mit aufgerissenem Schnabel zeigte er Charly, wer hier der Herr im Hause ist. Der
arme Rosella flüchtete, laut Morsezeichen von sich gebend, auf die unter der
Wohnzimmerdecke befestigte Astschaukel und er tat sich sichtlich selber leid. Im
März hielt ich es für richtig, Charly ganz in die Voliere umziehen zu lassen.
Das fand am Freitag nachmittag statt, damit ich die Möglichkeit hatte, im
Notfall eingreifen zu können und ihn wieder herauszuholen. Aber es gab keinen
Notfall; nach der bei den Wellis üblichen Hierarchievorführung, bei der ihm
kräftig gedroht, am Schwanz gezogen und mit dem Schnabel auf dem Flügel
herumgeprügelt wurde, gewöhnten sich alle aneinander. Charly ist ein
fürsorglicher Vogel: Wenn einem Welli ein Futterrest am Schnabel klebt, wird
dieser vom Rosella vorsichtig entfernt. Das kranke Nymphenweibchen (wurde den
ursprünglichen Haltern entzogen wegen Tierquälerei, hat eine Einschränkung der
Bewegungsfähigkeit , kann nicht fliegen und hat einen Tumor hinter dem Auge)
wird von ihm mit großem Respekt behandelt. Er läßt ihr den Vortritt, und wenn
sie zum Freßnapf klettert macht er sofort Platz und wartet, bis sie fertig ist.
Wenn in der Voliere Streit aufkommt, sorgt er auf seine Weise für Ordnung: er
fliegt einfach auf die Streithähne obendrauf, diese flüchten nach rechts und
links, und vorbei ist der Ärger!

Es gibt eine Sache, bei der ich vorsichtig sein muß: Wenn ein Wellipärchen seine
Brut beendet hat, kommt dieses Pärchen wieder in die große Voliere und ein
anderes kommt dann in die Zuchtbox. Wahrscheinlich spürt der Rosella, dass
dieses Pärchen gerade gebrütet hat, jedenfalls flippt er völlig aus, balzt das
Weibchen an und jagt den Hahn. Diesen Streß umgehe ich, indem ich den Rosella
für 4 Tage einzeln halte, bis dahin hat das Wellipärchen sich wieder in der
großen Voliere eingelebt und setze Charly dann wieder dazu. Es ist niedlich zu
beobachten: Er begrüßt dann jeden Welli mit höflicher Verbeugung und breit
gefächertem Schwanz und fühlt sich gleich wieder zuhause. Charlie lebt nun seit
8 Monaten mit uns, und bis jetzt hat es nicht einen Moment gegeben, der mich
veranlasst hätte, seinen Einzug bei uns zu bereuen. Ich weiß nicht, was die
Zukunft bringt, denn er soll nicht alleine bleiben. Wenn die Rosellabrutzeit zu
Ende ist, werden wir eine junge Rosellafrau kaufen. Wie sich dann alles
entwickelt bleibt abzuwarten. Wird das Rosellapärchen dann die Voliere als
alleinigen Besitz fordern und dann doch die anderen angreifen? Wie reagiert das
Pärchen, wenn die Henne zuchtreif ist? Bewahrheiten sich dann doch die Unkenrufe
der Züchter? Ich werde das alles ausprobieren, nach dem Motto "Erfahrung macht
klug" und zu gegebener Zeit darüber berichten.



Insgesamt ist zu sagen:

Eine Rosellahaltung in einem normalen Nymphen- oder Papageienkäfig ist
Tierquälerei. Rosellas sind Temperamentbündel, Kraftpakete und außerhalb der
Ruhephasen sehr bewegungsfreudig. Auch im Papageienkäfig von 1 m Länge, in dem
Charly vorübergehend gewohnt hat, leidet das Gefieder und man hat den Eindruck,
einen Tiger im Käfig zu halten.



Rosellas nagen gerne, an unserem Schrank fehlt schon die obere Leiste. Aber da
wir an solch lebensfreudigen Tieren ohnehin mehr Freude haben als an "toten
Möbeln", macht das nichts. Wir bieten allen Vögeln 2mal die Woche Weidenzweige
an, auf die sich alle gleich stürzen und die Rinde genußvoll abschälen. Eine
schöne Beschäftigungstherapie und vitaminreich dazu. Wer sich einen Rosella
kaufen möchte, sollte diesen als erstes entwurmen. Die Haltung in Freivolieren
bringt oft einen Wurmbefall mit sich. Ich bitte jeden, der mit der Haltung von
Rosellas in der Wohnung Erfahrungen gesammelt hat, mir einen Bericht zu
schicken.


Copyright: Petra Schoening-Schink
, Deutschland

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