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Bird-Box Klein
Der Blauschwanz (Ianthia cyranurus)
(Quelle: AZ-Nachrichten 01/2003)
Artikel geschrieben von M. Giebing

Allgemeines

Der Blauschwanz überwintert in Südostasien, deshalb tauchte er als Irrgast nur sehr selten in folgenden europäischen Ländern auf: Großbritannien, in den Niederlanden, in Norwegen, in Schweden, in Italien und in Deutschland (Helgoland, Mellum und Mecklenburg).

Systematik

Nach WOLTERS bildet der Blauschwanz Ianthia cyranurus (PALL., 1773) mit dem Rostbrust-Blauschwanz und dem Weißbrauen-Blauschwanz die Gattung der Blauschwänze Ianthia (BLYTH, 1847). Die Unterart Ianthia c. rufilatus (HODGS., 1845) wird mit dem Rostbrust-Blauschwanz von verschiedenen Autoren als eigene Art angesehen.

Verbreitung, Lebensraum

Verbreitet ist er von Finnland durch Nordrussland und Sibirien bis zum Ussuriland, zur Nordmongolei und Mandschurei, Sachalin, Kamtschatka, Kurilen, Japan (südwärts bis Schikoku), Westchina von Kansu und Südschensi bis Yünan und westwärts durch das Himalayagebiet bis Südostafghanistan. In den beiden letzten Jahrzehnten ist der Blauschwanz bemüht sich in westlicher Richtung auszudehnen. So bildete der Blauschwanz Ianthia cyranurus in Ost-Finnland eine isolierte Population und hat in Estland gebrütet. Er lebt in dichten, unberührten, moos- und unterholzreichen Nadelwäldern, ebenso in abgelegenen Mischgehölzen mit dichtem Unterwuchs oder in lichten Birkenwäldern. Die südliche Population, die Unterart Ianthia c. rufilatus, bewohnt im Himalaja ebenfalls Wälder mit lockerem Unterholz und und ist auch in Rhododendronbeständen anzutreffen. Blauschwänze sind bis in Höhen von 3000 Meter, in Ausnahmefällen bis 4800 Meter über N.N., anzutreffen.

Kennzeichen

Nicht jeder Vogelfreund kennt den Blauschwanz, deshalb anschließend eine kurze Beschreibung. Mit seinen 14 cm ist er so groß wie ein Rotkehlchen. Das Männchen ist dunkelblau an Kopf, Oberseite und Schwanz, mit blassem, kräftig blauem Bürzel. Die Kehle ist weiß, Brust und Oberseite grau mit dunklen Streifen und orangefarbenen Flanken. Das Weibchen ist dort braun, wo das Männchen blau ist, mit hervorstechendem, weißen Augenring, blasserem, blauen Bürzel und dunkelblauem Schwanz. Das Jungtier ist gefleckt und gestreift, wie ein junges Rotkehlchen, der Schwanz ist graublau. Die Nestlingsdunen sind rauchfarben.

Verhalten, Stimme

Der Blauschwanz verbringt die meiste Zeit des Tages im Halbdunkel der unteren Aste von Sträuchern und Bäumen, sowie auf feuchter Erde. Er lebt versteckt und wippt beständig mit Flügeln und Schwanz. Er zieht einzeln und hauptsächlich nachts. Man kann ihn durchaus mit dem Rotkehlchen im Verhalten und der Lebensweise vergleichen. Ebenso wie ein Rotkehlchen kommt er plötzlich zutraulich zum Gartenbearbeiter um einen Wurm zu bekommen. Zur Brutzeit ist er territorial und verjagt jeden Vogel im Nestbereich. Er ruft „Tic“, wie das Rotkehlchen. Weiterhin wie ein Gartenrotschwanz oder auch wie ein Fitis ein tiefes „Hüiet“ oder „Fjuit“ bei Erregung und um Kontakt zu halten. Der Gesang ist drossel- bzw. rotschwanzartig. Er enthält Zirplaute wie „Tschrr“ oder „Krrr“ sowie auch auf- und absteigende Triller. Beendet wird der Gesang mit einem „Tili-tiil“ bzw. „Tül-tititi“. Insgesamt ist der Gesang einfach, kann aber trotzdem noch geografische Dialekte aufzeigen. Zu Beginn ist der Gesang leise und wird dann zunehmend lauter. Von einer hohen Warte ist bei Tag und auch in der Nacht der Gesang zu hören.

Unterbringung

Bis Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhundert waren die Blauschwänze meistens selten und dann nur noch einzeln, das heißt fast nur Männchen und keine Weibchen, im Handel zu bekommen. In den letzten Jahrzehnten wird er in größerer Zahl in Europa angeboten. Hat man mit viel Glück ein Paar Blauschwänze bekommen, so sollte beim Händler oder Züchter abgeklärt werden um welche Unterart es sich handelt. Die Eingewöhnung ist problemlos und es dauert nicht lange, so besteht zwischen Pfleger und Vogel ein gutes Vertrauensverhältnis. Teilweise sind dann Blauschwänze schon in kurzer Zeit so zutraulich, dass sie sich den Mehlwurm aus der Hand des Pflegers holen. Wir erleben hier eine Umkehr im Verhalten. Der Blauschwanz lebt in der freien Natur sehr heimlich und scheu und ist deshalb nicht leicht zu beobachten. In Menschenobhut aber zeigt er sich bei richtiger Pflege zutraulich und ohne Angst. Eine Gartenvoliere soll mit viel Moos und auch halb vermoderten Baumstümpfen sowie ein paar größeren Steinen artgerecht eingerichtet sein. Lebende Sträucher dazu dürften in etwa seinen Lebensraum wiederspiegeln. Der Blauschwanz ist ein Zugvogel, so ist für den Winter ein beheizbarer Schutzraum oder eine Innenvoliere für ihn das Richtige. Auch sollte nur ein Paar in einer Voliere gehalten werden. Wenn noch für ein paar Halbhöhlen gesorgt wird und das Futterangebot stimmt, dürfte der Grundstock für eine Zucht gelegt sein.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife tritt zum Ende des ersten Lebensjahres ein. Es wird wahrscheinlich eine monogame Saisonehe geführt. Auf Grund der langen Brutperiode ist es vorstellbar, dass evtl. eine zweite Jahresbrut noch in Frage kommt oder die späten Gelege sind Ersatzbruten. Zur Zeit der Paarbildung wechselt das Männchen sehr oft die Singwarten. Sobald aber das Weibchen brütet, versorgt es das Weibchen mit Nahrung. Von seiner Lieblingswarte, welche sich in der Nähe des Nestes befindet, singt das Männchen und zeigt seine orangefarbenen Flanken. Zudem bewacht es noch sein Weibchen. Dieses baut das Nest allein in einer kleinen Vertiefüng auf der Erde, in der Deckung eines Strauches oder in einer Halbhöhle. Es ist gut getarnt und von außen kaum zu sehen. Das Nest wird aus trockenen biegsamen Gräsern, Blättern und viel Moos gefertigt. Die Mulde wird sorgsam mit Koniferennadeln oder Tierhaaren ausgelegt. Die reinweißen Eier haben die Größe von 18 x 14 Millimetern und ein Frischvollgewicht von 1,5 Gramm. Ein Gelege besteht aus vier bis acht Eiern. Sie werden wahrscheinlich täglich gelegt. Nach Fertigstellung des Geleges beginnt die Brut. Sie wird nur vom Weibchen durchgeführt und dauert 13 bis 14 Tage. Es kann sein, dass das Männchen während der Brutzeit immer wieder das Weibchen vom Nest jagt, dann ist es herauszufangen und separat zu setzen. Nach dem Schlupf hudert das Weibchen in der 1. Woche und füttert die Jungen mit dem Futter welches das Männchen holt. Danach füttern beide Elternteile, wenn auch der Hauptteil beim Weibchen liegt. Die Nestlingsdauer beträgt 12 bis 15 Tage. Wird eine 2. Brut angeschlossen so füttert das Männchen die Jungen allein, während das Weibchen schon wieder brütet. Sobald die Jungen selbständig sind sollten sie von den Eltern getrennt werden, da ansonsten zu viel Störungen auftreten und die 2. Brut gefährdet wäre.

Mauser

Die Jugendmauser ist eine Teilmauser, welche bei Jungen der früheren Bruten bis Ende Juli fast abgeschlossen haben, bei der Mehrzahl wohl erst Ende August bis Anfang September. Die Brutmauser ist eine Vollmauser. Sie beginnt ab Mitte Juli und endet Anfang September. Das Brutkleid entsteht durch Abnutzung.

Ernährung

Der Blauschwanz nimmt hauptsächlich wirbellose Tiere zu sich, welche er von Bäumen, aber ebenso häufig vom Boden aufnimmt. Samen und Früchte nimmt er auch auf. Dass er sehr anpassungsfähig ist, kommt uns zu gute. In Menschenobhut sollte man die Ernährung genau so abwechslungsreich gestalten wie in der Natur. Natürlich sollte die Nahrung im Winter nicht ganz so reichhaltig wie im Sommer sein, damit die Blauschwänze auch zur Brut schreiten. Im Winter gibt man ein gutes Insektenweichfutter. Es kann ganz nach Belieben mit Quark oder Frischkäse, mit Apfel oder mit Möhre angereichert werden. Das Futter darf nur erdfeucht und krümelig sein, da sonst Darmerkrankungen auftreten. Im Frühjahr wird Eigelb und Herz zugefügt und 2 x pro Woche werden Vitamine und Futterkalk beigemengt. Nun wird auch das Lebendfütter langsam gesteigert bis im Sommer zur Brut nur Lebendfütter genommen wird. Als Lebendfütter gibt es viele Möglichkeiten, nur müssen die Vögel daran gewöhnt sein. Man gibt Ameisenpuppen, frischgehäutete Mehlkäferlarven und -puppen, Pinkys, Wachsmottenlarven, Mückenlarven und Tubifex. Die beiden letzten Arten lassen sich gut unter das Futter mischen. Es darf aber nur soviel gefüttert werden wie in kurzer Zeit aufgenommen wird, da gerade bei großer Hitze Fäulnis entsteht. Im Sommer und Herbst füttert man zusätzlich Beeren, damit die Mauser glatt über die Bühne geht. Zur Aufzuchtzeit sollte das Lebendfutter der Größe der Jungen angepasst sein. Auch darf nicht zuviel Lebendfutter gegeben werden, da ansonsten die Jungen nicht mehr sperren. Die Eltern halten sie für tot und schmeißen sie aus dem Nest oder die Eltern werden zu früh wieder brutlustig und lassen die Jungen verhungern.

Ausklang

Die Haltung und Zucht von Blauschwänzen sollte nur von Vogelliebhabern betrieben werden, welche schon Erfahrungen mit anderen Weichfressern gesammelt haben. Die Ernährung war vor ein paar Jahrzehnten schwierig, aber heutzutage ist alles ohne Probleme zu erschwinglichen Preisen zu beschaffen. Die Zucht ist genauso interessant wie bei einem anderen Weichfresser. Wenn auch der Gesang des Blauschwanzes nicht weltbewegend ist, so steht dem immer noch die große Zutraulichkeit als Anreiz zur Zucht gegenüber.


Copyright: M. Giebing
Norken, Deutschland

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