Biologie des Mozambiquegirlitz
(Quelle: AZ-Nachrichten 02/2001)
Artikel geschrieben von Manfred Giebing

Ochrospiza
mozambica (Müller, 1776) —



engl.: Yellow-eyed
Canary M. Giebing (18590)





Allgemeines


Der
Mozambiquegirlitz, von wenigen älteren Vogelliebhabern noch
Mozambiquezeisig genannt, ist aus der Vogelhaltung nicht mehr weg
zudenken. Für ein paar Mark ist er im Handel zu kaufen und wird
deshalb als Allerweltsvogel betrachtet. Manche Vogelliebhaber gehen
so weit, dass sie ihn halten aber nicht züchten, da er seine
Futterkosten nicht einmal hereinbringt. Dieses bestätigen auch
die verschiedenen Nachzuchtstatistiken.





Systematik


Der
Mozambiquegirlitz (Ochrospiza mozombico) gehört in die
Gattung der Kleingirlitze (Ochrospiza Robts., 1922) und somit
in die Familie der Gimpel bzw. Hänflinge (Carduelidae).





Verbreitung,
Lebensraum


Das
Verbreitungsgebiet des Mozambiquegirlitzes reicht von der südlich
der Sahara anschließenden Sahelzone bis ins südliche
Afrika. Er fehlt nur in Gebieten mit tropischem Regenwald wie dem
Kongobecken, sowie den Wüsten Horn von Afrika, Namibia und dem
südwestlichen Südafrika. Vom Menschen wurde er auf den
Inseln und Inselgruppen Sao Tome, Annobon, Maskareren und Amiranten
eingebürgert.


Innerhalb
dieses Verbreitungsgebietes bewohnt der Mozambique
girlitz
offene, mit Buschwerk und Bäumen bewachsene Landschaften, wie
Baum- und Dornbuschsavannen sowie landwirtschaftliche Flächen,
auch Plantagen, Gärten und Parks.


Mit
neun Unterarten bewohnt er dieses große Verbreitungsgebiet. Das
sind nach der Nominatform Ochrospiza mozambica mozambica, 0. m.
cainiceps
(Hartlaubgirlitz), 0. m. punctigula, 0. m. lv
orbata, 0. m. grotei, 0. m. pseudoborbota, 0. m. tonda, 0. in.
vasoni, 0. in. granti.





Kennzeichen


Die
Korperlänge liegt so bei 11 bis 13 Zentimetern. Die Oberseite
ist graugrün, auf den Flügeldecken und auf dem Oberkopf ist
er schwarzbraun mit gelblichen Säumen. Die Nackenseiten, der
Zügel und ein Streif vom Auge zum Nacken sind grau. Die von den
Seiten des Unterschnabels bis zu den Halsseiten gehenden Bartstreifen
sind beim Männchen schwärzlich und beim Weibchen grau. Beim
Weibchen zieht sich über die Kehle eine graue „Halskette“,
welche denen in Süd- und Ostafrika fehlen und durch Weiß
an der Kehle ersetzt werden. Beim Männchen ist vom Unterschnabel
bis zu den Unterschwanzdecken die Unterseite gelb. Ebenso gelb ist
ein Stirn- und Uberaugenstreif, welcher bis zum Hinterkopf und den
Gesichtsseiten reicht. Beim Weibchen ist das Gelb nicht so intensiv
und kann durch etwas Weiß ergänzt werden. Flügel und
Schwanz sind schwärzlich mit gelblichgrünen Säumen.
Die Augen sind dunkelbraun und Schnabel und Füße
hornfarben. Jungvögel sind matter und unterseits gelblichgrün.
Die Nominatform mozambica ist nicht oft im Handel. Größer
ist gronti und erscheint dunkler. An der grauen Scheitel- und
Nackenzeichnung ist caniceps zu unterscheiden. Er wird
meistens im Handel angeboten. Der Mozambiquegirlitz kann mit dem
Weißbauchgirlitz (0. dorsostriata) verwechselt werden,
doch ist dieser größer, fülliger, der Rücken
gestrichelt und an den Flanken gezeichnet. Der Gelbbauchgirlitz
(Crithagra flaviventris) ist bedeutend größer als
der Mozambiquegirlitz.





Verhalten


Während
der Brutzeit lebt er paarweise, danach aber streift er in
Familienverbänden oder in Schwärmen mit anderen
Girlitzarten und Webervögeln im Gebiet umher um Nahrung zu
suchen, welche aus kleinen Sämereien Wildkräutern und Gras
besteht. Daneben werden Insekten aufgenommen, welche natürlich
zur Jungenaufzucht fast ausschließlich gefüttert werden.
Die meiste Nahrung wird vom Boden aufgesammelt.





Unterbringung


Auch
wenn der Mozambiquegirlitz nicht so empfindlich ist, so sollte er
falls frisch importiert eingewöhnt werden. Verschiedene Tiere
haben mitunter entzündete Augen oder Durchfall, was auch
behandelt werden muss. Einige Wochen im Kistenkäfig mit
ausreichend Futter, Trinkwasser und regelmäßig Badewasser
— alles ohne Angst und ohne Stress — macht ihn fit. Sind
jetzt noch Koniferenzweige am Gitter befestigt, so fühlt er sich
sicher. In dieser Zeit beobachtet man ihn. Ist sein Gefieder glatt
und enganliegend, so ist er in Ordnung. Man kann Mozambiquegirlitze
auch in einem ein Meter langen Käfig halten, sie sind aber
meines Erachtens Vögel besser für die Voliere geeignet. Sie
sollten mindestens eine Temperatur von 15 C haben. Wenn auch in
Einzelfällen die Girlitze bei niedrigen Temperaturen
überwinterten, so bekommt es ihnen nicht. Man kann nun wählen,
ob man ganzjahrig eine Innenvoliere benutzt oder für den Winter
eine Innenvoliere und im Sommer eine Außenvoliere. Anders geht
es bei uns nicht, da die Winter zu hart sind und selbst ein
angebauter Schutzraum würde hier nicht reichen. Die Voliere
sollte mit dichten Sträuchern bestückt sein und zusätzlich
die Wände noch gut mit Koniferenzweigen verkleidet sein.
Zwischen den Zweigen werden Nisthilfen, wie Kaisernester und
Sabelsche Nistklötze, in verschiedener Höhe befestigt. Er
kann in eine Gesellschaftsvoliere gehalten werden, vorausgesetzt es
sind keine nahen Verwandten von ihm darin. Für die Brutzeit aber
ist es besser ihn paarweise unterzubringen, dieses kann unliebsame
Überraschungen fernhalten und ist insgesamt gesehen effektiver.
Sind die Mozambiquegirlitze in einer lnnenvoliere untergebracht, so
ist es sehr wichtig den Lichtregler auf 14 Stunden zu stellen, damit
die Jungen ausreichend gefüttert werden können. Wenn ein
Paar Mozambiquegirlitze nicht synchron in Paarungsstimmung ist, kann
die Jagerei des Weibchens sehr hart werden, ja sogar tödlich,
auch wenn genügend Sträucher und Verstecke vorhanden sind.
Mozambiquegirlitze haben ein großes Badebedürfnis.





Fortpflanzung,
Paarbildung und Balz


Es
sollten von Mozambiquegirlitze nur gut harmonierende Paare zur Zucht
eingesetzt werden. Sie gelten als sehr anpassungsfähig und
züchten in Volieren besonders leicht und ziehen ihre Jungen
problemlos auf. Die Brutzeit, sie geht mit der Regenzeit einher, kann
aber in dem großen Verbreitungsgebiet unterschiedlich
ausfallen. Sie fällt meistens in die Monate August bis März,
eine Zeit, die manchmal auch bei uns eingehalten wird. Man sollte
versuchen für die Zucht die Partner der gleichen Unterart und
wenn möglich auch aus derselben Region zusammenzusetzen, dieses
verhindert Streitigkeiten und evtl. Gattenmord. In der Nähe oder
im Raum sollten sich keine „Kleinen Girlitze“ also
Ochrospiza-Arten befinden. Sind die Mozambiquegirlitze in
einer Voliere untergebracht so züchten sie auch im Winter, weil
das mit der afrikanischen Brutzeit gleichfällt. Hier sollte man
darauf achten, dass nicht mehr als insgesamt drei Bruten im
Kalenderjahr stattfinden.


Das
Männchen lockt mit seinem lauten, langen schmetterndem Gesang,
in dem auch trillernde und auch flötende Stücke vorkommen,
sein Weibchen. Auch die Lockrufe sind ein helles Klingeln und gut
anzuhören. Ab sofort bis zur Beendigung der Brutzeit füttert
nun das Männchen sein Weibchen aus dem Kropf. Mit hängenden
Flügeln umtanzt er singend sein Weibchen, um es dann durch die
Voliere zu treiben. Das geht so weiter bis das Weibchen sich
paarungsbereit zeigt in dem es sich in den Fersen duckt und mit
Flügeln und Schwanz vibriert. Die Kopula findet statt und schon
geht die Jagerei von vorne los. Dieses Verhalten erweckt den Anschein
als gäbe es beim Mozambiquegirlitz keine oder nur eine lockere
Paarbindung, aber weit gefehlt. Dieses Verhalten ist artgemäß
und das Männchen jagt sein Weibchen auch außerhalb der
Balz. Die beiden Partner brauchen deshalb nicht getrennt zu werden.
Ab sofort begleitet das Männchen sein Weibchen auf Schritt und
Tritt und singt es auch zwischendurch mal an, der Bau des Nestes und
das anschließende Brüten obliegt nur dem Weibchen.





Nest,
Ei und Gelege


Die
Wahl des möglichen Nistplatzes wird vom Männchen getroffen
und durch Ausmuldebewegungen an geeigneten Stellen dem Weibchen zur
Kenntnis gegeben. Er kann die Stelle auch durch etwas Nistmaterial
kenntlich machen. Das Napfnest wird entweder in nicht allzuhohen
Büschen, oder in den Nisthilfen der Voliere gebaut. Sehr gerne
nehmen sie die Nisttaschen aus Ginster an, da das Nest dann gegen
Sicht geschützt ist, auf der anderen Seite aber dem Weibchen den
freien Uberblick nach Außen gewährt. Es wird aus Moos,
Gras, Haaren und Pflanzenwolle gefertigt‘ gleich ob in der
freien Natur oder anch in der Voliere. Zur Auspolsterung werden gerne
helle Materialien genommen, sei es Scharpie, Tierhaare, z. B.
Schafswolle oder Federchen. Der Nestbau obliegt nur dem Weibchen,
obwohl das Männchen es dauernd begleitet hilft es nicht mit.


Die
leicht gelblichen oder grünlichen Eier sind am stumpfen Pol mit
bräunlichen Flecken versehen. Sie werden täglich gelegt.
Ein Gelege besteht beim Mozambiquegirlitz aus drei bis fünf,
beim Hartlaubgirlitz aus zwei bis drei Eiern. Ab dem vorletzten oder
letzten Ei beginnt die I3tägige Brutdauer allein durch das
Weibchen. Es verläßt das Nest nur zur Kotabgabe und muss
vom Männchen mit Nahrung versorgt werden. Ansonsten bewacht es
während dieser Zeit sein Weibchen und das Nest.





Schlupf,
Aufzucht


Die
frischgeschlüpften dunkelhäutigen Jungen sind spärlich
mit weißlichen Dunen auf Kopf und Rücken bedeckt. Sie
werden vom Weibchen in den ersten 3—4 Tagen mit Nahrung aus dem
Kropf gefüttert, welche es vom Männchen bekommen hat.
Danach füttert auch das Männchen die Jungen direkt. Die
Jungen werden gut eine Woche gehudert. Die Ringe sollten am 5—7.
Lebenstag, wenn die Altvögel den Kot nicht mehr wegtragen und
die Jungen diesen auf dem Nestrand ablegen, angelegt werden. Mit gut
drei Wochen verlassen die Jungen das Nest, kehren aber noch einige
Tage zum Übernachten ins Nest zurück. Nach 3—4
weiteren Tagen können sie schon gut beim Fliegen steuern. Bis zu
ihrer Selbständigkeit werden sie von den Eltern noch mit Nahrung
versorgt. Dann kommt der Zeitpunkt wo das Männchen anfängt
seine Jungen zu jagen. Diese müssen jetzt von den Eltern
getrennt werden, da das Männchen aggressiv werden kann und das
Weibchen, wenn es wieder in Brutstimmung ist, den Jungen die Federn
ausreißt. Die Jungen werden mit Farbringen versehen und in eine
Gemeinschaftsvoliere mit Jungen anderer Arten zum Mausern gegeben.





Ernährung


Zur
freien Aufnahme steht den Mozambiquegirlitzen eine Hirsemischung aus
kleinen Körnern von Senegalhirse, Mannahirse, Japanhirse und
Silberhirse zur Verfügung. Weiterhin eine Spezialmischung für
Girlitze, welche hauptsächlich aus Grassämereien (Knaul),
Glanz, Salatsamen, Perilla, Zichorien, Mohn und Negersaat besteht.
Sie nehmen ihre Nahrung gerne vom Boden auf, weshalb man ihnen
entgegen kommt und die Körner in großen Blumenuntersetzern
vorstellt, weil sie auch nicht gerne an Näpfe gehen. Das hat
aber auch den Vorteil, dass kein Samen aus den Näpfen gewühlt
wird. Weiterhin bekommen sie ein Mineralgemisch
und Erde aus morschen und verrotteten Baumstümpfen. Besonders
wenn die Erde frisch ist scheint es ein Festschmaus zu sein.
Koniferenzweige, Kolbenhirse und auch Wildkräuter mit Samen in
verschiedenen Reifeständen von Löwenzahn, Vogelmiere,
Breitwegerich und Hirtentäschel. Während der Mauser und im
Winter gibt es


Teile
von Äpfeln, Gurken und Salat. Für die Jungenaufzucht
mehrmals am Tag kleine Portionen an Lebendfutter. Ein bisschen
Fingerspitzengefühl muss man schon haben, denn ist die Portion
zu groß, werden die Altvögel wieder brutlustig, ist sie
aber zu klein können die Jungen verhungern. An Lebendfutter ist
die Auswahl groß und man kann den Girlitzen durch einen Wechsel
etwas Abwechslung bieten, vorausgesetzt die Altvögel kennen das
Futter wie: Ameisenpuppen der Raseuameise, Blattläuse, Tubifex,
Mückenlarven, Enchyträen und mit zunehmendem Alter der
Jungen Puppen und Larven des Mehlkäfers. Eifutter wurde nur ganz
wenig genommen. Zur Aufzucht und Mauserzeit wird zweimal in der Woche
entweder das Wasser oder das Kö
rnerfutter vitaminisiert.


Mozambiquegirlitze
sind einfach und ohne Probleme zu kaufen, weil sie regelmäßig
im Handel und evtl. auch von einem Züchter zu haben sind. Sie
sind kleine, quirlige und hübsch gefärbte Vögel,
welche gut in einer Voliere zur Zucht gehalten werden können.
Der Gesang des Männchens ist lebhaft aber wohltönend. Seine
Haltung und Zucht kann Anfängern und selbst Fortgeschrittenen
empfohlen werden.



Copyright: Manfred Giebing
Norken, Deutschland
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