Der Braunbrustschilffink
(Quelle: AZ-Nachrichten 03/2001)
Artikel geschrieben von Manfred Giebing

Munia
castaneothorax (Gould, 1837) -


engl.:
Chestnut-breasted Mannikin





Allgemeines


Der
Braunbrustschilffink wird auch noch als Braunbrust-Schilfamadine
bezeichnet. Andere Namen wie Kastanienbrüstiger Schilffink,
Gemeiner Schilffink oder nur Schilffink sind kaum noch zu hören.
Der Braunbrustschilffink gehört wahrscheinlich zu den am
frühesten nach Europa eingeführten australischen
Prachtfinken. So gibt RUSS als 1. Lieferung für den Zoo London
das Jahr 1860 an. Erst 10 Jahre später kam die Art nach
Deutschland. Mit Ausnahme des 1. Weltkrieges bis zum Beginn des 2.
Weltkrieges waren diese Vögel ständig im Handel. Erst in
den Jahren 1950/5 1 wurden sie wieder angeboten und gehörten zu
den am meisten importierten Vögeln, die sich auch über die
Ausfuhrsperre der australischen Regierung hinaus durch Zucht bei uns
gehalten haben. Die Erstzucht des Braunbrustschilffinken bei uns ist
nicht bekannt. In Australien ist er schon vor der vorletzten
Jahrhundertwende gezüchtet worden und in England fand die
Erstzucht 1906 statt.





Verbreitung
Kennzeichen


Mit
seinen Unterarten Munia c. castaneothorax und Munia
castaneothorax assimilis
bewohnt der Braunbrustschilffink
Nordwest- und Ostaustralien. Da wo die Gebiete der beiden Arten
aufeinanderstoßen vermischen sie sich. Munia c.
castaneothorax
ist zwischen zehn bis elf Zentimeter groß.
Sein Gesicht, Wangen und Kehle sind schwarzbraun und die Wangen mit
beigen Schaftstrichen versehen. Stirn, Scheitel und Nacken sind
dunkel geschuppt. Diese Art ist vom Abnehmen betreffen. da sie durch
den Muskatfinken (Lonchura punctulata). welcher dort
ausgesetzt wurde, verdrängt wird. Auch sie vermischen sich
untereinander. Munia castaneothorax assimilis hat nicht so
auffällige Schaftstriche an den Wangen. Sie sind wie die Kehle
schwarz. Die Art kann zum Teil als Zugvogel angesprochen werden, da
sie in Trockenzeiten längs der Küste ziehen. M. c.
assimilis lebt nicht nur mit dem Gelben Schilffink (Munia
floviprymna)
fast im gleichen Gebiet, sondern paaren sich auch
mit ihm. So gibt es Wissenschaftler welche den Braunbrustschilffinken
kaum noch 100 Jahre zum Bestehen geben.


Die
vier noch restlichen Unterarten sind in Neuguinea angesiedelt:
M.
c. ramsayi war vorher nigriceps, M. c. sharpii,
M. c. uropygialis
und M. c. boschmai und werden von
dort fast ausschließlich importiert. Auf Neukaledonien, den
Neuen Hebriden, Tahiti, Bora-Bora und auf anderen Inseln Südpazifik
wurde der Braunbrustschilffink vom Menschen ausgesetzt. Wie der Name
Schilffink schon aussagt ist diese Art vorzugsweise im Schilf
anzutreffen. Weiterhin ist er in hohen Grasbeständen und als
Kulturfolger in Feldern mit Reis-, Zuckerrohr und im Gartenanbau zu
finden. M. c. ramsoyi hat einen fast schwarzen Kopf,
welcher durch weißliche Federspitzen in der Mitte des Kopfes
geschuppt wirkt. Er wird deshalb schwarzköpfiger
Braunbrustschilffink genannt. M. c. sharpii ist mit
neun Zentimeter die kleinste Unterart und wird deshalb
Zwergschilffink genannt. Seine Stirn, und der Kopf sind weißlich
beigegrau, dagegen sind Zügel, Augenumgebung, Wangen, Kinn,
Kehle und die Halsseiten kaum gestrichelt, sondern fast uni schwarz
oder braunschwarz. M. c. uropygialis ähnelt M. c.
sharpii ist aber größer und hat wenig dunkleres
Kopfgefieder. M. c. boschmai bewohnt die Höhen der
Gebirge und Hochplateaus zwischen 1700 bis 2200 m da, wo ähnlich
feuchte Gebiete und ähnliche Vegetation zu finden sind. Er hat
schmale helle Säume am dunklen Oberkopf- und Nackengefieder.


Die
Weibchen sind wie die Männchen gefärbt, aber etwas matter.
Jungvögel sehen auf der Oberseite graubraun und auf dem Kopf
dunkler und grauer aus. Die brauneren Wangen haben cremefarbene
Schaftstriche. Das Kinn ist weißlich. Kehle und Brust
zimt-braun und unterseits graugelb. Nestlinge sind fleischfarben.
Ihre Rachenzeichnung zeigt im Gaumen einen großen Fleck und
darunter noch zwei Punkte. Zwei weitere Punkte befinden sich auf der
Zunge und im Unterschnabel ist ein gezackter Halbkreis. Alle
Zeichnungen sind schwarz, wie auch die Grenzen der weißlichen
Wülste.





Verhalten
Stimme


Der
Lockruf ist über weite Entfernungen zu hören und ist im
Flug als »Tlit« zu hören. Der Stimmfühlungslaut
ist die leisere Variante des Lockrufes und ist ein »Tit«.
Er kann auch gereiht wiedergegeben werden. Der Gesang ist leise und
hoch. Er kann durchaus einzelne Triller enthalten. BIELFELD schildert
ihn mit: »Tschieuk-tschieuk-tschieuk-tui-tui-tui-wie-wie-wie«.


In
der Gruppe singen mehrere Männchen gleichzeitig. Dabei gibt es
Zuhörer, welche sich jeweils an ein singendes Männchen
kuscheln. Der Braunbrustschilffink kann gut und geschickt im Gezweig
und an Halmen herum klettern. Der Flug der einzelnen aber auch, in
der Gruppe fliegenden Vögel ist leicht gebogen. Fliegen dagegen
große Gruppen im Verband, so ist der Flug völlig gerade
und nach Starenart werden synchron die scharfen Wendungen getätigt.
Die Vögel werden in ihrer Heimat, wenn sie in die Getreidefelder
mit Gerste oder Reis in Massenschwärmen einfallen, stark
verfolgt, weil sie großen Schaden anrichten. Deshalb wird er
stellenweise auch Gerstenvogel genannt. Er holt sich selten seine
Nahrung vom Boden, vielmehr landet er an die senkrechten Halme und
klaubt sich mit langgestrecktem Hals die Samen aus der Rispe oder
Ähre. Ist diese leer, so zieht er einen benachbarten Halm
herbei, hält ihn mit demFuß fest und frisst weiten Er kann
so vier bis fünf Halme halten, bevor er seinen Platz wechselt.
Außerhalb der Brutzeit ist er sehr gesellig und lebt im
Schwarm. Zum Nächtigen fliegt dann der Schwarm das nächste
Halmgebiet an.





Unterbringung


Auf
dem Markt sind Braunbrustschilffinken als Nachzuchten, aber auch als
Wildfänge von Neuguinea. Man sollte keinen Unterschied machen
und die Vögel eingewöhnen bei einer gleichmäßigen
Temperatur von mindestens 220
C
. Den gezüchteten Vogel hält man etwa nur
eine Woche im Heckfach, damit er den Pfleger kennenlernt und
zutraulich wird. In der Eingewöhnung ist der Wildfang ziemlich
empfindlich. Mindestens in der ersten Woche ist als Zugabe Mohn und
Kamillentee sehr wichtig. Während dieser Zeit sollte man kein
Grün geben. Ist er dann noch nicht glatt im Gefieder, sollte
eine Kotprobe genommen werden, meistens muss dann eine
Antibiotikabehandlung folgen, aber das sagt der Tierarzt dann schon.
Nach sechs bis sieben Wochen müsste er vollständig o. k.
sein. Der Braunbrustschilffink ist auch im Käfig zu halten, aber
da wird er träge, unlustig, fett und krank. Erst in einer
Voliere mit Schilfecken und senkrecht aufgestellten Besenginster
fühlt er sich wohl und zeigt wie gewandt er an den Halmen
herumklettern kann. Solch eine Einrichtung nutzt seine Krallen ab, so
dass sie nicht beschnitten werden müssen. Er kann mit anderen
Prachtfinken vergesellschaftet werden oder im Schwarm gepflegt
werden. Er ist vollkommen friedfertig. Im Schwarm animieren sich die
Paare untereinander. Sie bauen ein freistehendes Nest oder bauen es
in einen halboffenen Nistkasten. Er hat ein starkes Bedürfnis
mehrmals am Tage zu baden, geben wir ihm die Möglichkeit.





Fortpflanzung


Die
Geschlechtsreife tritt ab dem vierten Monat ein. Nach Möglichkeit
sollte man die Zucht erst im Alter von neun bis zwölf Monaten
zulassen, damit sich die Vögel richtig entwickelt haben und
ihnen keine Brut, die ja kräftezehrend ist, etwas anhaben kann.
Auf gar keinen Fall dürfen sie mit dem Japanischen Mövchen
oder dem Gelben Schilffink zusammen untergebracht werden, da dann
garantiert durch Mischehen Bastarde, die auch noch
fortpflanzungsfähig sind, gezeugt werden.





Paarbildung
- Balz


Das
Männchen hüpft singend zuerst in aufrechter dann in abwärts
gerichteter Haltung des Schnabels auf das Weibchen zu. Vom Kopf bis
zum Bauch hat es sein Gefieder gesträubt. Alle Tätigkeiten
werden durch das Schnabelwischen und Gefiederschütteln
unterbrochen. Dann sitzen beide Partner nebeneinander gekuschelt und
halten diesen Kontakt während der gesamten Balz bei. Das
Männchen hat sein Bauchgefieder gesträubt und macht seine
Bücklinge langsam weit vor und dann wieder hoch usw. Auch das
Weibchen sträubt sein Gefieder. Ihre Schwänze sind
gegeneinandergekippt. Sobald das Weibchen mit diesem vibriert gilt
das als Aufforderung an das Männchen die Kopula durchzuführen.





Nest


Das
Nest wird meistens kurz über dem Boden bis etwa einen Meter hoch
frei zwischen den Halmen gebaut, gerne wird aber auch ein halboffener
Nistkasten ausgebaut. Breitblätterige lange frische und trockene
Grashalme werden gern verbaut und zum Auspolstern gefällt ihnen
Scharpie. Sind mehrere Paare in der Voliere, so werden die Nester
etwa in einem Meter Abstand gebaut.





Ei
Gelege


Die
Eier werden im täglichen Rhythmus gelegt. Ein Gelege besteht in
der Regel aus vier bis sechs Eiern, manchmal aber auch sieben oder
acht Eier. Beide Partner lösen sich beim Brüten ab,
teilweise sitzen auch beide in dem Nest. Die Brutzeit beträgt 13
Tage. Während dieser Zeit sollte kein Lebendfutter verabreicht
werden. Nestkontrollen werden nicht übel genommen, sollten aber
nur wenn nötig vorgenommen werden.





Schlupf
- Aufzucht


Die
geschlüpften Jungen werden von beiden Eltern gut gefüttert,
besonders wenn in den ersten Tagen fleißig Lebendfutter wie
kleine frischgehäutete Mehlkäferlarven geboten werden. Nach
einer Woche kann auch Grünfutter und Keimfutter gereicht werden.
Nach dem Alter von drei Wochen fliegen sie aus, kommen aber noch ein
paar Nächte ins Nest zurück. Danach schlafen sie neben den
Eltern auf Ästen oder Halmen. Zuerst sind sie scheu und
verstecken sich in den Büschen. Sie werden noch 14 bis 21 Tage
gefüttert. Die jungen Männchen fangen schon im Alter von
vier bis sechs Wochen an das Singen zu üben.





Mauser


Die
Jugendmauser beginnt im Alter von sechs Wochen, sie kann schon mit
drei Monaten abgeschlossen sein, sich aber durch Störungen,
Temperatursturz oder falsche Ernährung usw. bis zu sechs Monaten
hinziehen. Es hat schon Fälle gegeben, wo die Eltern noch nicht
durchgemausert hatten. aber schon Junge im Nest waren.





Ernährung


Weiter
oben haben wir erfahren, dass der Braunbrustschilffink selten seine
Nahrung vom Boden holt, sondern meistens am Stängel sitzend die
Samen aus der Ähre herausklaubt. Das können wir ihm nicht
bieten, aber das Futter auf einen einen Meter hohen Futtertisch
reichen und nach Möglichkeit bei trockenem Wetter jeden Tag
einen Strauß Wildkräuter mit verschiedenen Samen und
Reifestadien in der Voliere aufgehangen, bietet ihm etwas artgemäß
Futter aufzunehmen. Wir geben vorzugsweise Miere, Knöerich,
Wegerich, Hirtentäschel, Wegwarte und Löwenzahn. Wer sich
da nicht auskennt, der sollte einfach alle Kräuter die er beim
Spaziergang mit Samen findet holen und sie seinen Vögeln geben.
Diese zeigen schon was gut für sie ist und ihnen schmeckt oder
was nicht. Zur freien Aufnahme bekommen sie ein kleinkörniges
Hirsegemisch mit einer Hänflings-Girlitz-Mischung, welche sehr
viel Grassamen und Wildkräutersamen beinhaltet. Kolbenhirse in
allen Variationen werden auch gerne genommen. Ei- oder Weichfutter
wurde kaum beachtet. Ein Gemisch aus Laubwalderde mit Grit und Kohle
sorgt für Minerale und allerlei Minitiere. Nicht nur zur
Jungenaufzucht, sondern das ganze Jahr über brauchen die Vögel
tierisches Lebendfutter wie Blattläuse, Mehlkäferlarven
usw. Sind die Jungen über eine Woche alt, so sollte nach
Möglichkeit halbreife Hirse gegeben werden. Aber nicht jeder hat
einen Garten oder ein Feld um Hirse auszusäen. Deshalb kann gut
auf Keimfutter ausgewichen werden, welches dann täglich
verabreicht wird. Bei schlechtem Wetter und auch in der Mauser sind
viel Gurkenscheiben mit ihren Mineralien gut. Ab und zu ein Stück
Apfel wird auch gerne genommen. Zur Junenaufzucht und in der Mauser
wird das Wasser oder auch das Lebendfutter zweimal in der Woche mit
Vitaminen angereichert.





Ausklang


Die
Braunbrustschilffinken werden von den Schilffinken insgeamt in
Menschenobhut wohl am meisten gehalten. Aber sie können nie den
Bekanntheitsgrad der anderen australischen Prachtfinken erreichen,
wie beispielsweise die Gouldamadine. Wer sie aber über die
Eingewöhnungszeit bekommen hat, der möchte sie nicht mehr
missen, zumal sie problemlos sind und keine Anprüche stellen.
Hat man dann noch ein harmonisierendes Paar, so steht der Zucht
nichts im Wege.



Copyright: Manfred Giebing
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