Die Rabenkrähe
(Quelle: AZ-Nachrichten 2/94)
Artikel geschrieben von Manfred Giebing

Gorvus corone corone (Linne, 1758) - engl.: Carrion
Crow




Allgemeines


Die mittelgroßen Arten der Gattung Corvus (Raben)
wie Rabenkrähe, Nebelkrähe und Saatkrähe werden landläufig
als ,Krähe" bezeichnet. Diese Bezeichnung ist ein Sammelbegriff und deshalb
irreführend. Vielleicht wurde der Name Krähe vom Ruf der Rabenkrähe
,,krääh" oder ,,kraah" abgeleitet. Der Name Rabenkrähe bezeichnet
nicht eine Art, sondern nur die westliche Unterart einer Art, während die
östliche, Nebelkrähe genannt wird. Sie gehören beide der Art
an, die keinen gebräuchlichen deutschen Namen hat, die ,,Aaskrähe".
Der wissenschaftliche Name setzt sich wie folgt zusammen. ,,corvus", lat. =
der Rabe und ,,corone", griech. = die Krähe, also Rabenkrähe.


Systematik


Die Rabenkrähe gehört zur Gattung der Raben (Conrtis)
innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae).


Beschreibung


Ihre Körperlänge beträgt 42-47 cm, bei einer
Flügelspanne von 91-102 cm. Das Gewicht pendelt je nach Jahreszeit zwischen
460-580 g. Ihr Gefieder ist ganz schwarz. Im Sonnenschein glänzt es bläulich
und grünlich. Der Schnabel ist schwarz und wesentlich kräftiger als
bei der Saatkrähe. Augen und Beine sind auch schwarz. Das Gesicht ist befiedert
und weist keinen nackten Schnabelgrund auf. Die Geschlechter ähneln sich.
Nur die Männchen sind etwas größer und schwerer als das Weibchen.
Jedermann kennt diesen schwarzen Vogel, welcher oft mit der Saatkrähe verwechselt
wird. Gewöhnlich lebt die Rabenkrähe einzeln oder in Paaren zusammen
und schließt sich nur mit Artgenossen zusammen, wenn irgendwo besondere
Nahrung zu finden ist. Die Rabenkrähe bildet also keine großen Schwärme,
ganz im Gegensatz zur Saatkrähe, deren immature Vögel die gleiche
Silhouette haben.


Verbreitung und Lebensraum


Die Rabenkrähe ist auf Westeuropa beschränkt. Im
Osten schließt sich die Nebelkrähe an. Zwischen beiden Unterartenbereichen
liegt eine Mischzone von 25 bis über 100 km Breite, in der beide vorkommen
und sich auch vermischen. Die Rabenkrähe liebt leicht bewaldete Gebiete,
in denen Hecken mit kleinen Wäldchen abwechseln, und Landstriche mit verschiedenartigen
Kulturen. Große zusammenhängende Waldflächen und wüstenähnliche
Gebiete vermeidet sie. Sie fühlt sich auch in großen Parkanlagen
der Städte und an den Meeresküsten wohl, wo sie stets reichliche Nahrung
findet.


Stimme


Der bekannteste Ruf der Rabenkrähe ist ein kräftiges
weithin hörbares ,,krääh-kräähkraah". Dieser Ruf wird
drei- oder viersilbig unter Kopfschütteln vorgetragen. Andere weiche und
manchmal sogar fast melodische Rufe läßt die Rabenkrähe in Nestnähe
nur hören, wenn sie ungestört ist. Vergessen sollte man auch nicht
ihr Talent zum Imitieren.


Fortpflanzung


Ihre Geschlechtsreife tritt in der Regel kurz vor Ende des
2. Lebensjahres ein. Gebrütet wird meistens erst im 3. Jahr. Die Rabenkrähe
lebt in monogamer ihr ganzes Leben andauernde Ehe. Von Februar/März an
erfolgt ein enger Zusammenschluß der Paare. Rabenkrähen brüten
nie in Kolonien. Das Nest wird in der zweiten Märzhälfte gebaut. Normalerweise
befindet sich das Nest hoch in den Bäumen, damit sie eine gute Aussicht
haben. Es ist meistens auf den äußeren dünnen Ästen und
weniger in der Nähe des Stammes angelegt. Weiter kann man die Nester in
Hecken, kleinen Wäldchen und


an Waldrändern finden. Bewaldete Gebirge, obwohl die Bäume
oft dort höher werden, meidet sie. Das Nest wird von beiden Partnern in
gemeinsamer Arbeit errichtet. Die Begattung findet nach der Fertigstellung des
Nestes meistens auf selbigem statt. Das Weibchen bleibt ruhig in geduckter Stellung
stehen, während das Männchen unter heftigem Flügelschlagen und
durch heisere Rufe die Begattung durchführt. Das Nest besteht aus einer
soliden Unterlage von Zweigen, Moos und Erde. Das Innere wird mit Haaren, Wolle
und Federn ausgepolstert. Anfang April werden die 4-5 Eier gelegt. Sie sind
bläulich bis grünlich gefärbt und mit grauen und braunschwarzen
Punkten versehen. Ihre durchschnittliche Größe beträgt 42,52
x 29,63 mm bei einem Gewicht von etwa 19 g. Die Eiablage erfolgt täglich.
Der Brutbeginn ist individuell verschieden, beginnt aber gewöhnlich schon
nach Ablage des ersten Eies. Das Weibchen brütet allein und wird dabei
vom Männchen mit Nahrung versorgt. Das Männchen hält während
der Brutzeit in Nestnähe Wache. Selbst Greifvögel vertreibt es in
Luftangriffen und jagt sie aus dem Brutgebiet. Nach 18-19 Tagen schlüpfen
die Jungen in Abständen, in denen die Eier gelegt wurden. Die Eischalen
werden vom Weibchen gefressen. Die Jungen sind mit wenigen grauen Dunen versehen.
Ihr Rachen ist rot und die Schnabelwülste gelb. Sie werden 8 Tage vom Weibchen
gehudert und gefüttert. Während dieser Zeit sorgt das Männchen
für die Beschaffung der Nahrung und übergibt diese dem Weibchen. Danach
füttern beide Eltern die Jungen. Nach dem Füttern wird der Kot stückchenweise
vom After abgenommen. Vom 8.-1l. Tag öffnen die Jungen die Augen. Die Nestlingszeit
beträgt 4-5 Wochen und nach weiteren 3-4 Wochen sind sie selbständig.
Sie sind brauner im Gefieder als die Altvögel. Da nur eine Jahresbrut durchgeführt
wird, findet ein lockerer Zusammenhalt der Familie bis zur nächsten Brut
im kommenden Jahr statt. Rabenkrähen werden bis zu 70 Jahre alt und können
deshalb sehr viele Erfahrungen sammeln. Die Rabenkrähen sind in der Jugend
Strich- und später Standvögel.


Nahrung


In bezug auf Nahrung ist die Rabenkrähe sehr anpassungsfähig
und vertilgt praktisch alles, was freßbar ist, und zwar Samen, Früchte
und Gemüse. Aber auch tierische Nahrung wird nicht verschmäht. Hier
sind es Insekten, Würmer und Weichtiere und da sind es Fische. Sie verachtet
jedoch auch die Eier und Jungvögel anderer Vogelarten nicht, insbesondere
dann, wenn diese durch den Menschen oder eine andere Störung vom Nest vertrieben
wurden. Kranke oder schwache kleine Säugetiere und Vögel werden auch
genommen. In letzter Zeit sind sie ins Gerede gekommen, weil sie sich in diesem
Zusammenhang an Lärmmern vergangen haben sollen?! Weiterhin hält sie
sich gerne an Müllplätzen auf, um hier nach Nahrung zu suchen. Da
sie auch Aasfresser sind, halten sie auch unsere Straßen sauber.


Feinde


Der größte Feind, der Mensch, ist seit dem Inkrafttreten
der Bundesartenschutzverordnung am 1.1.87, wonach ja auch die Rabenkrähe
besonders geschützt ist, zum großen Teil beseitigt. Weiterhin förderlich für ihre positive Bestandsentwicklung war ja
auch der Rückgang ihrer natürlichen Feinde wie Habicht, Wanderfalke
und Uhu.


Haltung und Zucht


Die Zucht der Rabenkrähe ist deshalb kaum versucht worden,
da bis zur Unterschutzstellung immer Junge erhältlich waren und wegen des
schweren Eingewöhnens waren keine im Handel. In Vogelparks und Zoos sollen
meines Erachtens schon Nachzuchten groß geworden sein. Einfacher ist die
Aufpäppelung dagegen mit Weichfütter. Wegen der häufigen und
nicht festen Losung ist es angebracht, Beofütter beizumengen. Da die ,,Aufgepäppelten"
stark auf den Pfleger geprägt sind, ist es schwierig, sie wenn möglich
überhaupt auszuwildern. Auch können sie ihren Pfleger und auch andere
Hausgenossen durch ihre Streiche oft genug zur Weißglut bringen. Sie versuchen
so


ihren Aktivitätsdrang abzureagieren. Bei Freiflug ist
ihre Sammlerleidenschaft von kleinen glänzenden Dingen zu beachten. Sie
darf nicht mit kleineren Arten zusammengehalten werden. Rabenkrähen baden
gerne, deshalb sollte für Badewasser gesorgt werden. Aber am besten nur
kurzfristig, da sie alles mögliche wie Futter, Aste, Laub usw. im Wasser
einweichen.




Literatur: EPPLE, W., und KROYMANN, B. (1987): Zum Schutz
der Rabenvögel, Natur und Landschaft, Heft 7/8; MELDE, M. (1969): Raben-
und
Nebelkrähe, Wittenberg;



Copyright: Manfred Giebing
Norken, Deutschland
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